Türkisches Mandelgebäck ~ Bademli kurabiye
Bademli Kurabiye – Da es im türkischen Haushalt jederzeit unangekündigt an der Tür klingeln kann, hat man immer etwas Gebäck (auf Türkisch kurabiye) bereit. Wenn Nachbarn oder Freunde mal auf einen Sprung vorbeischauen, wird immer ein Glas Çay und dazu etwas Kurabiye angeboten. Dieses Gebäck gibt es vielen verschiedenen Variationen. Süß, mit Nüssen, Schokolade, getrocknetem Obst …. oder auch salzig, gefüllt mit Schafskäse, Oliven, Kräutern oder Ähnlichem. Da es so einfach zu machen ist, hat man immer etwas vorrätig. Überzeugt euch selbst!
Inhaltsverzeichnis
Das Gefühl nach Hause zu kommen ~ Seelenfutter oder Soulfood
Welche Speisen erinnern euch an glückliche Zeiten, spenden euch Trost oder geben euch ein nostalgisches Gefühl von Kindheit und Zuhause? Für Orhan sind es bademli kurabiye, seine Mutter Nilüfer hat diese früher zu besonderen Anlässen gebacken. Ursprünglich stammt das Rezept jedoch von seiner Großmutter Seniha – und erzählt damit nicht nur die sehr persönliche Geschichte ihrer Familie, sondern auch von größeren historischen und gesellschaftlichen Umbrüchen.
Essen für die Seele, auch als Seelenfutter oder Soulfood bekannt, ist oft mit Erinnerungen an die Mutter, an Traditionen und an das Gefühl von Geborgenheit verknüpft. Solche Gerichte sind ein wichtiger Teil unserer kulturellen Identität. Sie zuzubereiten und zu genießen, stärkt unser Gefühl von Zugehörigkeit. Diese vertrauten Speisen haben eine beruhigende Wirkung – besonders in turbulenten Zeiten – und können die Ausschüttung von Glückshormonen fördern. Unsere Mütter (und Großmütter) haben nicht nur gekocht, um uns satt zu bekommen. Sie haben Liebe, Fürsorge und natürlich nur die besten Zutaten hineingelegt – nur um dann zuzusehen, wie wir alles mit leuchtenden Augen in wenigen Minuten verschlingen.
Nilüfer (Orhans Mama) lernte das Rezept von ihrer Schwiegermutter Seniha Tançgil (geb. Şuşut), und sie gab es wiederum mir (Orkide), ihrer Schwiegertochter, weiter. Und natürlich wandert es an unsere Kinder. Großmutter Seniha hatte die Art der Zubereitung Erzählungen zufolge von sephardischen Jüd*innen in Veria (griech. Βέροια, türk. Karaferya), einer Kleinstadt südwestlich von Thessaloniki, übernommen. Ihre Nachbar*innen waren die Nachfahr*innen jener jüdischen Familien, die 1492 aus Spanien vertrieben worden waren. Als wir im letzten Jahr Veria, die Geburtsstadt von Großmutter Seniha, und Thessaloniki besuchten, entdeckten wir die kleinen Teigschleifen in den Bäckereien, und Orhan war sofort zutiefst berührt.
Kurzer historischer Hintergrund
Der Erste Weltkrieg (1914–1918) führte zum Zerfall des Osmanischen Reiches. Nach dem türkischen Befreiungskrieg wurde 1923 die Republik gegründet. Im Vertrag von Lausanne wurde ein Bevölkerungsaustausch (türk. mübadele) vereinbart: Die griechisch-orthodoxe Bevölkerung musste aus der Türkei nach Griechenland, die muslimische aus Griechenland in die Türkei. Diese Zwangsumsiedlung war für die umgesiedelten Personen beider Seiten (und ihre Nachfahr*innen) traumatisch – sie verloren Heimat wie Besitz und mussten mit Ausgrenzung, Armut und Benachteiligung leben. Was blieb, waren Erinnerungen, Musik (wie der Rembetiko) – und Gerichte, die bis heute von dieser Geschichte erzählen.
Mit der 12-jährigen Seniha und ihrer Familie zog auch das Rezept für die Mandel-Orangen-Schleifchen von Thessaloniki nach Ankara. Heute backen wir es in Düsseldorf – und wer weiß, wohin die Reise noch führen wird. Essen verbindet uns mit unseren Wurzeln und Familiengeschichten, es entwickelt sich kontinuierlich weiter und überwindet Zeit und Raum. Probiert unbedingt unser Rezept zu bademli kurabiye – vielleicht werden sie für euch auch zum Seelenfutter, das euch Halt gibt und nach Zuhause schmeckt.



Rezept für Türkisches Mandelgebäck ~ Bademli kurabiye
Eine akualisierte Version dieses Rezept findet ihr übrigens in unserem Kochbuch Türkei Vegetarisch welches demnächst erscheint.
Bademli Kurabiye – Mandelgebäck
Zutaten
2 St Ei/er ein Eigelb zum Bestreichen
250 g Butter (oder Margarine) Zimmertemperatur
300 g Zucker
250 g süzme Joghurt (Stichfester Joghurt mit 10% Fettgehalt)
4-5 EL Speiseöl (Sonnenblumen- oder Rapsöl)
1 Pk Vanillezucker etwa 8 g
1 Pk Backpulver etwa 15 g
100 g Mandeln
750 g Mehl (Weizenmehl)
1 Bio-Zitronenschale (feiner Abrieb) fein gerieben
Zubereitung
- Zuerst ein Ei trennen und Eigelb zum Bestreichen beiseitestellen.
- Das zweite Ei, Eiweiß, Zucker, Quark und Öl in einer großen Schüssel vermengen.
- Anschließend auch die trocknen Zutaten nach und nach hinzufügen und einen weichen Teig kneten. Im türkischen sagt man: der Teig muss die Konsistenz eines Ohrläppchens haben.
- Kleine Ping-Pong-Ball große Stücke vom Teig nehmen und in eine beliebige Form bringen: Schleifchen , Plätzchen, Schnecken, etc. Mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und mit Eigelb bestreichen.
- Im vorgeheizten Ofen bei 180 °C Ober-, Unterhitze etwa 30-40 Minuten goldbraun backen. Wenn die Kurabiye abgekühlt sind, bewahrt man sie am besten in einem geschlossenen Behälter auf. Dann bleiben sie länger frisch. Am besten mit einem heißen Glas türkischen Tee servieren.
Afiyet olsun!
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Sehr schön! Wie geht die salzige Variante? Einfach statt der Mandeln Schafkäse nehmen und den Zucker weglassen? LG Hubert