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2. Dezember 2007

Ethnolekt

Ethnolekt

Hadi – bedeutet direkt aus dem Türkischen übersetzt Los! Diesen Ausdruck findet man üblicherweise im türkischen Sprachgebrauch, aber in den letzten Jahren (Jahrzehnten) hat er sich im deutschen erfolgreich integriert. Glaubt man nicht, oder?! In großen deutschen Autofabriken wird es in den täglichen Konversationen ganz üblich benutzt (wurde mir so berichtet). Kann ich mir gut vorstellen.

Was mich aber nervt, sind die Sprüche die kommen, wenn jemand bei mir einen auf gut Kumpel machen möchte: „Guckst du… machst du mir…“mit einem ausländischen Möchtegern-Akzent. Das kommt einfach nicht an! Bitte merkt es euch.

Jedoch haben zwei Berichte in letzter Zeit mein Erstaunen geweckt, denn wer diese Art von Sprache wirklich beherrscht kann komplexe Gedankengänge kontrollieren. (jetzt schüttelt ihr bestimmt den Kopf, oder?). Untereinander spricht man nämlich gar nicht so wie die Comedians á la Kaya Yanar oder Mundstuhl. Üblich ist der reibungslose Wechsel zwischen den Sprachen. Man mixt einfach den passenden Begriff oder Umschreibung in die Unterhaltung. Wir haben es dadurch echt einfacher. Bei den jüngeren Generationen der Türkischstämmigen schlägt das immer mehr durch. Heute hab ich noch gehört: „Ich fühl mich tuhaf“.

Das ganze wird nun durch diese Berichte wissenschaftlich belegt. Bei SWR2-Wissen gibt es diesen ca. 30-minütigen Beitrag, den man auch als Manuskript lesen kann. Ein Teil hat mich wirklich beeindruckt:

Viele der jungen Leute, die wir untersucht haben, haben ein großes sprachliches Repertoire. Die können Ethnolekte karikieren, sie können Gastarbeiterdeutsch nachmachen, sie können Standarddeutsch, sie können Standardtürkisch, viele natürlich die dialektalen Formen der Herkunftsregionen ihrer Eltern, und das ist ihre eigentliche Neuschöpfung muss ich so sagen, sie haben deutsch-türkische Mischungen in einer sehr elaborierten Weise ausgebildet. D.h. sie können im Satz von der einen Sprache in die andere Sprache wechseln, ohne die Regeln der jeweiligen Sprache zu verletzen. Das ist also in einem hohen Maße kreativ und wirklich kompetent.

So hatte ich das noch nicht bewusst gesehen… Wir sind wirklich kompetent. Wow!

Den anderen Bericht hab ich bei Polylux zufällig gesehen. Auf die andere Diskussion lass ich mich im Moment aber nicht ein. Die geht mir zu weit in die falsche Richtung. Danke Polylog – da habt ihr ja ein Fass aufgemacht…). Nichtsdestotrotz find ich Ethnolekt eine Bereicherung!!

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Orhan Tançgil

Orhan Tançgil ~ Inhaber & Gründer  Dipl.-Wirtsch.-Ing. für Verlagswirtschaft & Medien Herausgeber, Foodblogger, Kochbuchautor, TV-Koch, Produktion, Vertrieb und Verkostungen

3 Gedanken zu „Ethnolekt

  1. Ich glaube, es wird einfach zu wenig differenziert. Das vermischen von türkischer und deutscher Sprache ist Ethnolekt und völlig legitim. Aber leider geht es gar nicht mehr wirklich um den Ethnolekt, sondern um die Verkümmerung dieses Dialekts.
    Sätze wie: “Ich fühl mich tuhaf”, daran ist doch nichts auszusetzen. Dieses Phänomen kennen wir ja schon von der Vermischung der deutschen und englischen Sprache (denglish).
    Aber wenn ich mich hier in Berlin in den Bus setze oder durch die Strassen gehe, dann höre ich dauerhaft Sätze wie z.B.: “Boah Alda, hast den opfa gesehn? gib misch mal dein handy, isch muss foto machen für Internet. Voooll das opfa alda, son spasst!”
    Nicht nur, dass die Grammatik in den meisten Fällen völlig vergewaltigt wird, die am häufigsten benutzen Elemente des “Ghetto-Slangs” sind aggressiver Natur. Das Zitat aus dem swr2 Beitrag kann ich leider nicht bestätigen. Ich habe auch eine Zeit lang in einem Kreuzberger Jugendclub gearbeitet und dort war es genauso, nur geballter. Natürlich gaben sich die Jugendlichen Mühe, wenn sie mit mir redeten, sich auch korrekt auszudrücken – leider meist nur mit eingeschränktem Erfolg. Und gerade untereinander reden die Jugendlichen/Kinder in dieser sehr unästhetischen Sprachart.
    Besonders spürbar wird das ganze im Internet. Wer öfter in Foren oder Spielechats liest, der weiss, wie schlimm es um die Sprache steht, besonders in der Schulferienzeit. Das hat nichts mehr mit Ethnolekt zu tun, eher mit Volksverdummung.
    Auch wenn der Kommentar etwas spät kommt, musste ich doch mal loswerden, dass meiner Meinung nach nicht alles Ethnolekt ist, was “dürkisch” klingt, meist ist es einfach nur eine mehr oder weniger leichte Degeneration des Gehirns…wer das nicht glaubt, darf mich gerne mal in Berlin Kreuzberg besuchen kommen ;)

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