WDR Funkhaus Europa

Letzte Woche war ich ja in Köln bei Funkhaus Europa zu Çılgın eingeladen. Mit Sümerya der Moderatorin hatten wir ein gemütliches Gespräch über türkische Küche. Wenn ihr wollt, könnt ihr es euch noch mal anhören.
Teil 1
Teil 2
Transkript: Radio-Interview mit Orhan Tançgil (SOFRAlar Kochbuch KochDichTürkisch)
Datum: 27.10.2012
Teil 1 (121027_orhantancgil_take1_829.mp3)
- Moderatorin: Orhan, ein Kochbuch also. Weil du so gerne isst oder weil du so gerne kochst?
- Orhan: Beides! Natürlich beides. Nee, weil ich sehr gerne koche und dabei gut entspanne, also einfach vom Alltag. Und essen tue ich natürlich mit Leidenschaft, egal was es ist – auch mal Fast Food oder so, das geht natürlich auch. Aber am liebsten natürlich Mutters oder eigenes Essen, eigenkreatives Essen.
- Moderatorin: Jetzt hast du ein Kochbuch geschrieben. Die haben ja in den letzten Jahren echt einen Boom erlebt; alles und jeder schreibt ja irgendwie Kochbücher, habe ich das Gefühl. Was qualifiziert jetzt dich?
- Orhan: Ein echter Hausmannskost-Koch zu sein.
- Moderatorin: Wo hast du es gelernt?
- Orhan: Eigentlich am Telefon erstmal.
- Moderatorin: Am Telefon?
- Orhan: Am Telefon, ja. Weil ich war zum Studium in Stuttgart und da habe ich das Essen von meiner Mutter vermisst. Das kriegt man ja nicht irgendwie im Lokal um die Ecke. Da ich in Düsseldorf aufgewachsen bin und in Stuttgart alleine war, habe ich sie immer angerufen und gefragt: „Mama, wie geht Börek? Wie geht Köfte? Wie geht das, dies…“
- Moderatorin: Also ein Ohr am Telefon und mit dem anderen den Kochlöffel gerührt.
- Orhan: Ja, mal aufgeschrieben, dann am Kochlöffel gerührt. Sie wollte es mir erst gar nicht erklären, weil sie meinte: „Warum brauchst du das? Geh doch ins Restaurant.“ Aber ich habe sie dann doch überzeugen können und das hat dann gut geklappt. Und dann habe ich das immer mehr für mich gemacht und auch für Freunde gemacht, und dann kam eins zum anderen.
- Moderatorin: Bist du jetzt ein richtiger Koch?
- Orhan: Nein, ein Hausmannskoch, ja. Ich nenne mich auch immer Hausmannskoch. Ich mache auch Hausmannsküche – oder ich sag mal, wir machen Hausmannsküche. Ich bin ja nicht allein.
- Moderatorin: Ja, du hast dein Buch nicht allein geschrieben, mit Verwandten oder Bekannten?
- Orhan: Mit Familie. Also im Prinzip ist meine Mutter natürlich auch mit drin, weil das ihre Rezepte sind. Von meiner verstorbenen Oma sind Rezepte drin, von der Mutter von meiner lieben Frau sind Rezepte drin und natürlich von Freunden, mit denen wir zusammen unsere Erfahrungen – wie wir eigentlich hier in Deutschland aufgewachsen sind – da reingebracht haben.
- Moderatorin: Und wie kam es eigentlich zu der Idee? Warum hast du es gemacht? Man teilt ja auch nicht so gerne Geheimnisse, oder?
- Orhan: Das kam daher: Wir kommen aus dem Food-Blog-Bereich. Ich bin ja gelernter Druckvorlagenhersteller, eigentlich ein Medien-Freak. 2007 haben wir einen Kochblog aufgemacht und haben diese Videos angefangen zu drehen, weil meine Freunde immer gefragt haben: „Wie machst du das?“ Türkische Rezepte erklären ist echt schwer, weil sie dann wirklich mit Händen und Füßen gemacht werden. Darum habe ich ein Video gemacht – zwei, drei Videos mal rein gestellt und geguckt, wie die Reaktion darauf ist. Das war toll! Über Jahre hinweg sind immer mehr Videos und Texte dazu gekommen. Wir haben eine kleine Fangruppe gekriegt und irgendwann haben wir gesagt: „Jetzt müssten wir doch mal ein bisschen mehr daraus machen und machen mal ein Buch.“
- Moderatorin: Und über das sprechen wir gleich noch, und vor allem über deinen Internet-Blog und dieses Kochbuch „Sofralar“, das ihr auch bei uns gewinnen könnt… Du hast auch noch ein bisschen was anderes mitgebracht?
- Orhan: Ja, im Sinne von dem Buch „Sofralar“ habe ich auch sieben Geschenke mitgebracht, darunter Poster, T-Shirts, Schürzen, kleine Nazar Boncuk und eine Kochschürze natürlich.
- Moderatorin: Oh, da lohnt es sich auf jeden Fall… Wir haben aber natürlich auch ein Voting heute: Können Männer besser kochen als Frauen? Orhan, was meinst du?
- Orhan: Ganz ehrlich gesagt: Je nachdem, was man kocht. Meine Frau wird mich jetzt zu Hause durch das Mikro erstechen… wir kochen beide natürlich gleich gut.
- Moderatorin: Na ja… Orhan, was ist denn dein türkisches Leibgericht?
- Orhan: Börek ist eigentlich so eines meiner Lieblingsdinger, weil die kann man im Blech machen, die kann man rollen, die kann man falten, da kann man Gözleme draus machen… alles, was man so mit Yufka machen kann.
- Moderatorin: Du hast uns auch was Leckeres mitgebracht. Ich pack das mal eben aus… Jetzt kommen Çiğ Köfte, aber sie sind es nicht?
- Orhan: Genau, das sind Mercimek Köfte. Es gibt ja fast 300 Köfte-Rezepte in der Türkei und das ist ein Rezept, was vegetarisch und sogar vegan ist, weil das aus Linsen besteht und aus Bulgur und dann halt noch ein paar Zwiebeln dran.
- Moderatorin: Die türkische Küche hat ja viele vegetarische Produkte, ne? Man denkt immer so: „Ach, die essen nur Lamm.“
- Orhan: Das finde ich immer ganz schade, wenn mich Leute ansprechen: „Ach ja, ich mag eure türkische Küche nicht, die ist ja so sehr fleischig und ich bin Vegetarier.“ Ich so: „Hey Leute, 70-80 % unserer Gerichte sind vegetarisch.“
- Moderatorin: Ich muss das jetzt probieren… [Geräusche vom Essen] Ich kann mich nicht beherrschen! Erzähl mal was.
- Orhan: Das Rezept gibt’s natürlich auch im Kochbuch. Wir haben die Rezepte eigentlich immer auf Türkisch groß geschrieben und die deutsche Erklärung klein darunter, und dazu auch noch eine Aussprachehilfe. Weil unsere türkischen Buchstaben sind echt schwer. Hier zum Beispiel habe ich „Sigara Böreği“ auf Deutsch geschrieben: S-I-G-A-R-R-B-Ö-R-E-J-I. Wenn man das auf Deutsch liest, hört sich das Türkisch an.
- Moderatorin: Stimmt! Vor allem, wenn man es aufschlägt – diese QR-Codes, durch die man sich die Clips angucken kann… das ist auch irgendwie neuartig, oder?
- Orhan: Die Videos haben wir jetzt schon seit fünf Jahren. Die haben wir jetzt wunderbar in unser Kochbuch integriert und ich darf sagen, dass unser Kochbuch das einzige Kochbuch ist, was mit Videos verlinkt ist.
Teil 2 (121027_orhantancgil_take2_921.mp3)
- Moderatorin: Du spielst ja mit diesen Begriffen, so ein Mix aus Deutsch und Türkisch. Wie sind die entstanden?
- Orhan: „Köftesüchtig“ war wirklich das allererste. Und dann haben wir angefangen, uns einfach mal so ein paar auszudenken. „Mokka-Machina“ war einer dazu, der hat dann immer zu „Frauen“ gepasst, weil die halt immer in die Küche geschickt werden, wenn türkischer Mokka gemacht wird.
- Moderatorin: Das stimmt. Oder „Pide-Schnüffler“. Und Pide hast du auch heute hier mitgebracht, ne?
- Orhan: Pide mit Haydari. Haydari ist so eine ganz klassische Vorspeise.
- Moderatorin: Ich nehme mir mal was… erzähl mal, was ist Haydari?
- Orhan: Haydari ist aus einem Süzme Joghurt, das ist so ein cremiger Joghurt, den es nur im türkischen Supermarkt gibt. Und ganz viel Knoblauch.
- Moderatorin: Oh Gott, und ganz viel Knoblauch!
- Orhan: Nein, es ist nur ein Hauch! Ich habe da eine Zehe in zwei Liter reingetan. Haydari kommt so aus dem Nahen Osten und wird einfach mit Brot zusammen gegessen. Joghurt, ein bisschen Dill, Knoblauch rein und – ganz wichtig – Schafskäse rein, den kleinbröseln.
- Moderatorin: Ach echt? Da ist Schafskäse drin?
- Orhan: Ja klar! Den Schafskäse schön kleinzermahlen mit dem Joghurt, so dass er nicht rausgeschmeckt wird.
- Moderatorin: Was für einen Schafskäse nimmst du da immer? Den griechischen?
- Orhan: Beyaz Peynir. Also ich bleibe dann doch bei den türkischen Produkten.
- Moderatorin: Schafskäse ist nicht Schafskäse, weil nicht jeder Schafskäse aus Schafsmilch ist, genau.
- Orhan: Sondern die sind meistens aus Kuhmilch.
- Moderatorin: Oh Gott, jetzt gibt’s hier gleich eine richtige Knoblauchfahne! Aber es ist doch ein Gerücht, dass wir Türken immer Knoblauch essen würden, oder?
- Orhan: Genau, darum gibt’s ja auch „Knoblauch-Deutsche“.
- Moderatorin: Ja, finde ich auch! Du hast jetzt aber auch ein Plakat mitentworfen, was ich sehr witzig finde, mit „50 Dingen, die man schon immer von Türken wissen wollte“.
- Orhan: Die haben wir letztes Jahr mal einfach gemacht, weil letztes Jahr diese 50-Jahr-Geschichte war mit türkischer Einwanderung in Deutschland. Eine typische Frage war: Meine Frau haben sie gefragt: „Ach, ihr heiratet bald? Ja, gibt’s bei euch denn auch einen Hähnchendrehwagen?“
- Moderatorin: Ist ja so typisch, ne? Türkische Hochzeit – halbe Hähnchen-Hochzeit, hat meine Oma immer gesagt.
- Orhan: Genau. Und da haben wir uns einfach mal 50 Fragen ausgedacht.
- Moderatorin: Soll ich mal eins aufmachen? [Geräusch von Papier] Warum müssen Türken eigentlich immer im Stadtpark grillen?
- Orhan: Ja, warum? Schon mal versucht, mit fünf Kindern, 27 Enkeln und 14 Urenkeln auf dem Balkon zu grillen?
- Moderatorin: Ja, nee, das geht natürlich nicht. Also dieser ganze Multi-Kulti-Aspekt, siehst du dich da irgendwie als Integrationsvermittler?
- Orhan: Na ja, wir leben ja halt sowieso automatisch damit. Ich bin hier in Essen geboren, in Düsseldorf aufgewachsen… und irgendwie leben wir aber trotzdem unsere türkische Kultur immer zwangsläufig mit. Und ich liebe meine türkische Kultur, ganz ehrlich gesagt. Ich möchte die auch an meine Kinder weitergeben.
- Moderatorin: Und das wirklich in einer richtig humoristischen Art. Wärst du nicht vielleicht lieber Comedian als Koch geworden?
- Orhan: Hat mich noch keiner gefragt! Ich rede einfach gerne über die Dinge, die mir Spaß machen. Kochen macht mir Spaß, deutsch-türkische Kultur miteinander vermischen und das weiterleben.
- Moderatorin: Orhan, lass uns mal über deinen Internet-Blog reden. Was bedeutet dir dieser Blog und wie pflegst du den?
- Orhan: Wir schreiben Artikel über alles Mögliche, was mit türkischem Kochen zu tun hat oder türkischem Leben in Deutschland. Das flankiert eigentlich so ein bisschen die Videos. Und auf Facebook haben wir natürlich auch eine Seite, eine große Fangemeinde.
- Moderatorin: Wer schreibt diese Kommentare? Was sind das für Leute?
- Orhan: Also hauptsächlich viele, die in Mischehen leben. Deutsch-Türkisch, wo Mann Türkisch, Frau Türkisch oder andersrum, die dann halt auch mal so die Kniffe fragen. Türken sind relativ wenig, so 20-30 %. Der Rest halt alles Deutschsprachige, die einfach Fans von der türkischen Küche sind.
- Moderatorin: Findest du denn jetzt, dass die türkische Küche mittlerweile auch so salonfähig geworden ist?
- Orhan: Die türkische Küche ist einer der Top Five auf der Welt. Die Türkei selbst hat das Problem erkannt und hat gesagt: „Hey, unsere türkische Küche ist auf der Welt nicht so bekannt, wie sie eigentlich eine Wertstellung bekommen sollte.“ Wir haben das aber vor fünf Jahren eigentlich schon für uns erkannt hier, weil wir türkische Restaurants haben, türkische Fast-Food-Läden, türkische Supermärkte…
- Moderatorin: Aber findest du nicht, dass es echt schwer ist, so ein richtig gutes türkisches Restaurant zu finden? Das sind doch meistens eher bessere Dönerbuden.
- Orhan: Restaurants sind eine Katastrophe. Die kopieren sich auch alle gegenseitig. Das hat auch ein anderer türkischer Koch in Deutschland, ein Sternekoch aus Hamburg gesagt, Ali Güngörmüş. Die sagen dann immer: „Oh, wir machen Adana, wir machen Vorspeisenplatte“ und immer die gleichen Sachen.
- Moderatorin: Aber so die traditionellen könnte man doch jetzt mal machen… ist das nicht dein nächstes Projekt?
- Orhan: Ich will demnächst mal eine Kochschule machen.
- Moderatorin: Eine Kochschule?
- Orhan: Ja, also das ist so das Ding, was wir nächstes Jahr, in den nächsten zwei Jahren so angehen möchten.
- Moderatorin: Ihr habt euer Buch im eigenen Verlag sogar rausgebracht, ne? Also ganz autark seid ihr.
- Orhan: Genau. Wir haben unser Geld ja mit anderen Dingen verdient und wollen das jetzt komplett kippen auf diese Geschichte.
- Moderatorin: Und könnt ihr mittlerweile davon leben?
- Orhan: Jein. Also Geld kommt rein, aber das Geld geht gerade komplett eins zu eins an die Druckerei weiter. Aber ab einer bestimmten Anzahl wird das dann unseren Lebensunterhalt geben, hoffen wir.
Kochkurs
Unser Büro in Düsseldorf-Flingern heißt zwar PreMedia-Kochstudio, aber leider können wir dort noch keine Kochkurse geben. Dort produziere ich hauptsächlich all unsere Produkte wie. z.B. Kochschürzen oder auch die Lern-DVDs von Galileo-Press. Zum gemeinsamen Kochen gehen wir in gemietete Küchen und haben das bisher nur auf Anfrage gemacht. Nun habe ich für Ende diesen Jahres drei Termine offen in Düsseldorf gebucht. Ihr könnt euch anmelden über den Shop. Der Kochkurs findet nur statt, wenn sich min. 8 bzw. max. 10 Personen anmelden.
Kochkalender
Wir wurden in den letzten Wochen und Monaten viel danach gefragt. Wann kommt der Koch-Kalender 2013? Nun ist er in Produktion gegangen und ihr könnt nun vorbestellen. Mitte November verschicken wir dann. Für alle Vorbesteller gibt es Rabatt!! Aktion statt 12,95€ bis 15.11.2012 nur 10€! (Übrigens ab 20€ Bestellwert ist es versandkostenfrei…)
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Pecha Kucha
Wer kennt es schon? Die Pecha Kucha Nächte in diversen Städten. Ein kurzer Vortrag mit 20 Folien zu je 20 Sekunden, macht 6:40 Min. Dazu wurde ich eingeladen in Düsseldorf am 23.11.2012. Wer kommen mag hier weitere Infos




