Türkische Rebsorten: Weine, Aromen & passende Gerichte im Überblick

Türkische Rebsorten – von Narince bis Boğazkere

Türkische Rebsorten: Weine, Aromen & passende Gerichte im Überblick

In der Türkei wachsen zwischen 1.200 und 1.500 benannte anatolische Rebsorten, von denen rund 800 genetisch eigenständig sind. Zum Vergleich: In Deutschland sind gut 100 Sorten zugelassen. Und trotzdem kennt hierzulande kaum jemand mehr als vielleicht einen Namen. Der Grund ist simpel – nur etwa zwei Prozent der türkischen Traubenernte werden überhaupt zu Wein verarbeitet. Der Rest wird Tafeltraube, Rosine (Sultanine) oder Pekmez (Traubensirup-, bzw. dicksaft).

Für türkische Weine sind etwa 30 Sorten wirklich relevant. Die wichtigsten davon stellen wir euch hier vor: wie sie schmecken, wo sie wachsen und – weil das in der türkischen Küche entscheidend ist – was ihr dazu essen solltet.

Türkische Rebsorten: Weine, Aromen & passende Gerichte im Überblick
Türkische Rebsorten: Weine, Aromen & passende Gerichte im Überblick

Warum türkischer Wein anders schmeckt

Anatolien ist nicht irgendein Weinbaugebiet. Es ist eines der ältesten der Welt. Genetiker verorten die Domestizierung der Weinrebe im Südosten der heutigen Türkei, mit Traubenkernfunden, die rund 9.000 Jahre zurückreichen. Die Hethiter schützten den Weinbau bereits gesetzlich und feierten jeden Jahrgang mit einem Fest.

Geschmacklich wichtiger als die Geschichte ist aber die Geografie. Viele türkische Weinberge liegen zwischen 650 und 1.100 Metern Höhe – in Elazığ und Malatya etwa, oder auf der kappadokischen Hochebene. Dort fallen die Nächte im Sommer stark ab, während die Tage heiß bleiben. Diese Spanne ist der Grund für zwei Eigenschaften, die euch bei fast allen guten türkischen Weinen begegnen: reife Frucht bei gleichzeitig lebendiger Säure.

Dazu kommt eine bemerkenswerte Bodenvielfalt – von den vulkanischen Tuffböden Kappadokiens über kalkige Kreide in der Ägäis bis zu rotem Ton und verwittertem Granit im Osten. Sieben Weinregionen, jede mit eigenem Charakter – und mit jeweils eigenen türkischen Rebsorten.

Türkische Rebsorten: Weine, Aromen & passende Gerichte im Überblick
Türkische Rebsorten: Hier eine Wein-Anbauregion bei den Dardanellen, die autochthone, türkische Weine hervorbringt

Die Weinregionen der Türkei

Karte der Türkei mit den wichtigsten Weinanbaugebieten: Tekirdağ, Çanakkale, İzmir, Denizli, Ankara, Nevşehir, Tokat, Elazığ und Diyarbakır
Karte der Türkei mit den wichtigsten Weinanbaugebieten: Tekirdağ, Çanakkale, İzmir, Denizli, Ankara, Nevşehir, Tokat, Elazığ und Diyarbakır
  • 1 · Marmara & Thrakien (13,6 % der Weinproduktion) – Tekirdağ, Kırklareli, Gelibolu, Avşa. Maritim, feucht. Leitsorten: Kınalı Yapıncak, Karasakız, Adakarası, Papazkarası.
  • 2 · Ägäis (52,7 % – die mit Abstand größte Region) – İzmir, Manisa, Denizli, Urla, Bozcaada. Küstennah 150 m, im Hinterland bis 900 m. Leitsorten: Bornova Misketi, Sultaniye, Çalkarası, Çavuş, Karalahna, Vasilaki.
  • 3 · Mittelmeer (0,2 % – winzig, aber ambitioniert) – Elmalı bei Antalya. Leitsorten: Boğazkere, Öküzgözü, Kalecik Karası, dazu viele internationale Sorten.
  • 4 · Nord-Zentralanatolien (3,3 %) – Ankara mit dem Unterbezirk Kalecik, dazu Uşak. Heiße Sommer, kalte Winter. Leitsorten: Kalecik Karası, Hasandede.
  • 5 · Süd-Zentralanatolien (12,1 %) – Nevşehir und Kayseri, also Kappadokien. Steppenklima, vulkanische Tuffböden. Leitsorten: Emir, Dimrit, Narince.
  • 6 · Ost-Zentralanatolien (14,7 %) – Tokat, Elazığ, Malatya. Weinberge auf 850 bis 1.100 m. Leitsorten: Narince, Öküzgözü, Boğazkere.
  • 7 · Südostanatolien (3,4 %) – Diyarbakır. Rau, trocken, tagsüber sehr heiß, nachts kalt. Leitsorte: Boğazkere.
Türkische Rebsorten, zwei Frauen bei der Pflege der Reben
Türkische Rebsorten, zwei Frauen bei der Pflege der Reben

So liest ihr diese Übersicht

Wir haben den typischen Ausbau markiert: ▪ trocken · ▪▪ halbtrocken · ▪▪▪ lieblich bis edelsüß. Wo mehrere Symbole stehen, bedient die Sorte mehrere Register.

Wichtig dabei: Der Restzucker entscheidet sich im Keller, nicht im Weinberg. Aus derselben Traube kann ein Winzer einen knochentrockenen und ein anderer einen halbtrockenen Wein machen. Die Symbole zeigen euch also, was üblich ist – achtet trotzdem immer aufs Etikett.

Türkische Rebsorten: Die wichtigsten auf einen Blick, inkl. Pairing

RebsorteWeinfarbeRegionAromaAusbauPasst zu
NarinceweißTokatZitrus, Quitte, WalnussZeytinyağlı, Grillfisch
Emirweiß, SchaumweinKappadokiengrüner Apfel, MineralFisch, Meeresfrüchte
SultaniyeweißDenizli, ManisaBirne, Apfel, Heu▪ ▪▪Hähnchen, Salate
Bornova MisketiweißİzmirMuskat, Honig, Bergamotte▪ ▪▪ ▪▪▪Aperitif bis Baklava
Kınalı YapıncakweißTekirdağApfel, Quitte, Mineral▪ ▪▪▪Zeytinyağlı, Meze
HasandedeweißAnkarafrisch, mineralischMeze, leichter Käse
ÇalkarasıRosé, leichter RotDenizli / ÇalPfirsich, Erdbeere▪ ▪▪Meze-Tafel, Mücver
KarasakızRosé, RotBozcaada, GeliboluJohannisbeere, MinzeGrillgemüse, Kısır
Kalecik KarasıRot, Rosé, Blanc de NoirsKalecik / AnkaraKirsche, rote BeerenLahmacun, Köfte
ÖküzgözüRotElazığ, MalatyaHimbeere, Kirsche, NelkeKebap, Schmorgerichte
BoğazkereRotDiyarbakırBrombeere, Tabak, LederTandır, Lamm, Hartkäse
Meze für Wein Kochkurs – Moodfoto
Türkischer Weißwein: Narince mit Zeytinyağlı Barbunya

Weiße türkische Rebsorten

Narince – die Zarte aus Tokat

Narince heißt auf Türkisch „zart“ – und der Name ist Programm. Die Sorte wächst vor allem in Tokat am Fluss Yeşilırmak, im Übergangsbereich zwischen Schwarzmeer- und Innenanatolien-Klima. Die Beeren sind groß, oval und gelbgrün mit bronzefarbener Sprenkelung.

Im Glas ist Narince die vielleicht vielseitigste weiße Sorte der Türkei. Sie bringt strohgelbe Weine mit floralen Noten, gelber Frucht und Zitrusaromen hervor – Orange, Grapefruit, Limette, Quitte, dazu Akazie und eine feine Walnussnote. Am Gaumen ist sie mittelkräftig bis füllig, mit einer Rundheit, die manche an weißen Burgunder erinnert. Genau deshalb funktioniert Narince auch im Holzfass, was für türkische Weißweine eher die Ausnahme ist. Die hohe Säure sorgt dafür, dass gute Exemplare mit ein paar Jahren Flaschenreife an Komplexität gewinnen.

Passt zu: Das ist der Wein für eure Zeytinyağlı-Gerichte – die Fülle nimmt es mit dem Olivenöl auf, ohne dagegen anzukämpfen. Außerdem: fetter Fisch vom Grill, Auberginensalat, Zwiebelgerichte und, wenn er im Holz ausgebaut wurde, sogar gebratenes Hähnchen.

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Emir – der Vulkanwein Kappadokiens

Emir bedeutet „Fürst“ oder „Herrscher“ – die Traube soll ihren Namen daher haben, dass ihr Wein an den Tafeln der lokalen Fürsten beliebt war. Schon zu römischer Zeit wurde aus ihr Wein gemacht.

Emir wächst fast ausschließlich um Nevşehir, also in Kappadokien, auf den mineralreichen Vulkan- und Tuffböden. Das Steppenklima mit seinen extremen Tag-Nacht-Unterschieden erhält die Säure – und die ist Emirs Markenzeichen. Die Weine sind strohgelb mit grünlichen Reflexen, leicht bis mittelkräftig, knackig und deutlich mineralisch. Im Duft: grüner Apfel, Ananas, Kiwi, Zitrone, Blutorange, weiße Rose.

Zwei Dinge solltet ihr wissen: Emir verträgt kein Holz, und er will jung getrunken werden – ein bis zwei Jahre, dann ist sein Zenit erreicht. Wegen der hohen Säure ist er außerdem eine der wichtigsten Grundlagen für türkischen Schaumwein.

Passt zu: Lachs und anderen fettreichen Fischen, Meeresfrüchten, Spargel, Hähnchen in Tomatensoße, Pasta mit Sahnesoße, Sushi – und zu Salaten ohne Essig. Die eigene Säure des Weins verträgt sich mit Essig im Dressing nicht gut; nehmt stattdessen Zitrone.

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Sultaniye – die Tafeltraube, die auch Wein kann

Sultaniye kennt ihr vermutlich, ohne es zu wissen: Es ist die kernlose Traube, aus der die meisten türkischen Rosinen werden. Mit rund 14.000 Tonnen ist sie mengenmäßig die bedeutendste weiße Sorte des Landes – nur geht der überwiegende Teil eben nicht in den Keller.

Wo sie doch zu Wein wird, vor allem in Denizli und Manisa, ergibt sie leichte, saftige, unkomplizierte Weißweine mit Aromen von Birne, Ananas, Mango, Zitrone, gelbem und grünem Apfel sowie einer trockenen Heunote. Trinkt sie jung und gut gekühlt, dann ist Sultaniye ein sehr angenehmer Sommerwein. Oft findet man sie auch in Cuvées, wo sie einer aromatischeren Sorte den Rücken freihält – etwa mit Sauvignon Blanc.

Passt zu: gedämpftem oder gegrilltem Fisch, Meeresfrüchten, Hähnchen, Pasta mit Sahnesoße – und ganz allgemein zu Salaten an einem heißen Tag.

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Bornova Misketi – der türkische Muskat

Diese Sorte gehört zur großen Muskat-Familie und wächst in und um Bornova bei İzmir auf Lehm- und Kiesböden. Kleine, dickschalige Beeren, die bei Vollreife rosa anlaufen – und ein Aroma, das man nicht übersehen kann.

Bornova Misketi duftet nach Geißblatt, Rose, Minze, Honig, Bergamotte, Zitronenmelisse, Orangenblüte, Gänseblümchen, Grapefruit und Melone. Kaum eine türkische Sorte ist so unmittelbar wiedererkennbar. Und keine andere deckt eine so große Bandbreite ab: von knochentrocken über halbtrocken bis zu dicht gebauten Süßweinen.

Eine schöne Fußnote zur Sortengeschichte: Weil die Trauben so gut schmecken, überlebte Bornova Misketi auch die Jahrzehnte, in denen in der Türkei kaum privater Weinbau möglich war – als Frischobst und Rosine. Das ist übrigens die Sorte, die in Europa als Muscat Karriere gemacht hat.

Passt zu: Trocken ausgebaut ist Bornova Misketi ein ausgezeichneter Aperitif und begleitet milden Käse, Snacks und Meeresfrüchte-Vorspeisen. Süß ausgebaut kommt er zum Dessert: karamellisierte Süßspeisen, Quittenkompott, Baklava – und zu kräftigem Blauschimmel- oder alt gereiftem Käse.

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Kınalı Yapıncak – die zurückhaltendste unter den türkischen Rebsorten

Kınalı kommt von kına, Henna: Die Beeren tragen rötliche Sprenkel auf sonst blassgrüner Haut. Die Sorte wächst in Thrakien, vor allem um Tekirdağ, Şarköy und Mürefte, treibt spät aus und reift spät.

Die Weine sind hell, leichtgewichtig und ausgesprochen zurückhaltend – Apfel, Birne, Quitte, Zitrusfrüchte und eine deutliche Mineralität. Die Säure liegt üblicherweise im niedrigen bis mittleren Bereich, kann bei früher Lese aber merklich höher ausfallen. Lange war Kınalı Yapıncak reine Massenware für einfache Tafelweine, inzwischen entstehen aus ihr auch ambitionierte Weine, vor allem auf der Halbinsel Gelibolu.

Und hier eine Verbindung, die viele überrascht: Aus den Blättern dieser Rebe werden eingelegte Weinblätter gemacht – als Tekirdağ Yapıncak Salamura Asma Yaprağı sogar mit geschützter geografischer Angabe. Wenn ihr also Yaprak Sarma rollt, habt ihr diese Rebsorte womöglich schon in der Hand gehabt.

Passt zu: Wenig. Und das ist ernst gemeint – der Wein ist so fein, dass kräftige Gerichte und selbst intensiver Käse ihn komplett überdecken. Er gehört an den Anfang des Abends: als Aperitif, zu kalten Meze, zu Zeytinyağlı und zu Salaten.

Hasandede – die Wiederentdeckte

Hasandede stammt aus Zentralanatolien, aus der Gegend um Ankara und Kırıkkale. Sie ist eine der Sorten, die durch das kontinentale Klima eine lebhafte Säure und ausgeprägte Mineralität entwickeln – frisch, klar, kein bisschen aufdringlich.

Ihre eigentliche Geschichte ist aber eine Rettungsgeschichte. Über Jahrzehnte kümmerten sich die staatlichen Weinbauinstitute vor allem um Tafeltrauben; alte Weinsorten verschwanden. Nachdem in den 1990er Jahren Kalecik Karası aus den letzten verbliebenen Rebstöcken zurückgeholt worden war, folgten weitere Sorten demselben Weg – Hasandede aus der Region Ankara, Merzifon Karası am Schwarzen Meer, Urla Karası in der Ägäis, Acıkara am Mittelmeer. Der türkische Weinjournalist Mehmet Yalçın hat diese Wiederbelebung dokumentiert.

Seid nicht enttäuscht, wenn ihr keinen findet: Hasandede ist selten und wird nur von wenigen Kellereien abgefüllt. Wenn ihr einen sieht – mitnehmen.

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Rosé-Rebsorten

Folgende türkische Rebsorten sind rote Trauben – ihre besten Weine sind aber Rosés. Wer türkischen Rosé unterschätzt, verpasst ausgerechnet die Weine, die zur Meze-Tafel am besten funktionieren.

Çalkarası – die Rosé-Spezialistin aus Denizli

Çalkarası stammt aus dem Bezirk Çal bei Denizli, worauf schon der Name hinweist. Die Beeren sind purpurschwarz, klein bis mittelgroß und ellipsoid. Ihr wichtigstes Merkmal ist eine feine, präzise Säure – und genau die macht sie zur Rosé-Traube.

Die Rosés zeigen Pfirsich, Erdbeere, frische rote Früchte und reife weiße Frucht, dazu ein mittleres bis höheres Alkoholniveau. Als Rotwein ausgebaut wird Çalkarası leicht und fruchtig.

Interessant ist, was gerade mit dieser Sorte passiert. Die Fachliteratur führte Çalkarası lange als Verschnittmaterial, das nicht lagerfähig sei. Mehmet Yalçın hat in den Kellern von Pamukkale einen Çalkarası des Jahrgangs 1980 getrunken – über zwanzig Jahre gereift und intakt. Im Juni 2026 fand in Çal ein eigenes Symposium zur Sorte statt, bei dem die deutlich gestiegene Weinqualität Thema war. Diese Traube wacht gerade auf.

Passt zu: der ganzen Meze-Tafel – und das ist der eigentliche Punkt. Wenn zehn kleine Schüsseln mit zehn verschiedenen Geschmacksrichtungen auf dem Tisch stehen, ist ein Rosé aus Çalkarası die einzige Flasche, die ihr braucht. Dazu: Meeresfrüchte, leicht scharfe Pasta, Mücver, Grillgemüse.

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Karasakız – die Rehabilitierte

Von allen türkischen Rebsorten hat Karasakız die beste Geschichte. Sie wächst auf Bozcaada und in der Region Çanakkale, und jahrzehntelang war sie das, was man in der Branche eine Verlegenheitstraube nennt: Das staatliche Monopol TEKEL destillierte sie zu billigem Kanyak. Wo sie doch in Wein landete, dann unter dem Namen Kuntra als Weichmacher, um die harten, würzigen Tannine der Bozcaada-Sorte Karalahna abzufedern. Sie stand immer im Schatten.

Das änderte sich, als das Weingut Suvla auf der Halbinsel Gelibolu die Sorte ernst nahm. Ausgewählte Parzellen, französische Berater, eigene Vinifikationstechnik – und nach etwa fünf Jahren Arbeit ein eleganter, ausbalancierter Rotwein mit weichen Tanninen, der bei internationalen Wettbewerben Medaillen einsammelte. Mehmet Yalçın, der die Sorte über Jahre begleitet hat, nannte das einen Klassenaufstieg.

Als Rosé wird Karasakız häufig als ganze Traube kohlensäuremaziert. Das ergibt Aromen von roten Johannisbeeren, Kirsche und getrockneter Minze mit langem, ausgewogenem Abgang.

Passt zu: Sommer-Meze, Grillgemüse, Kısır, gefüllten Weinblättern – und als leichter Rotwein leicht gekühlt zu gegrilltem Gemüse und Halloumi.

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Auch Kalecik Karası ergibt ausgezeichnete Rosés – dazu gleich mehr im Rotwein-Kapitel.

Rote türkische Rebsorten

Kalecik Karası – die Schwarze aus Kalecik

Kalecik ist ein kleines Dorf mit einer Burg, etwa 65 Kilometer nordöstlich von Ankara in Zentralanatolien – daher der Name: Kalecik Karası, die Schwarze aus dem kleinen Kastell. Die Reben stehen überwiegend im Tal des Flusses Kızılırmak, und dieser Fluss ist der entscheidende Faktor: Er schafft ein Mikroklima, das die sonst harten Ankaraer Winter deutlich mildert.

Sie ist die eleganteste rote Sorte der Türkei und wird häufig mit Spätburgunder verglichen – feine Tannine, lebendige Säure, mittlerer Körper, moderate Farbtiefe. Die Aromen gehen in Richtung roter Beeren, Kirsche, Erdbeere und Himbeere; jüngere Weine zeigen oft eine charakteristische Note von Zuckerwatte oder Kandis. In sehr heißen Jahren kann der Alkohol hochlaufen und den Wein schwer machen, dann verliert sie ihren größten Vorzug.

Auch Kalecik Karası war beinahe verschwunden. In den 1990er Jahren wurde sie aus den letzten verbliebenen Rebstöcken vermehrt und zurück in den Weinbau geholt – der Anfang jener Rettungswelle, von der wir oben bei Hasandede geschrieben haben.

Und noch etwas macht sie besonders: Weil sie so feine Tannine und so viel Säure mitbringt, lässt sich Kalecik Karası weiß keltern. Als Blanc de Noirs zeigt sie eine blasse Lachs- bis Strohfarbe und Aromen von Zitrus, Pfirsich, gelbem Steinobst und feinen Blüten – und sie ist die Grundlage einiger der besten türkischen Schaumweine nach traditioneller Methode. Wie das funktioniert und welche Weingüter es machen, haben wir in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.

Passt zu: Lahmacun und Pide, Köfte mit Tomatensoße, gegrillten Koteletts, Pasta mit Tomatensoße, Pizza. Als Rosé zur Meze-Tafel, als Blanc de Noirs zu Fisch und Meeresfrüchten.

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Öküzgözü – das Ochsenauge

Öküzgözü heißt wörtlich „Ochsenauge“, und der Name beschreibt die Beeren: groß, rund, schwarz und fleischig. Diese türkische Rebsorte stammt aus Elazığ in Ostanatolien und wächst dort und in Malatya auf 850 bis 1.100 Metern Höhe, auf rotem Ton und verwittertem Granit. Die beiden Euphrat-Staudämme Keban und Karakaya haben das Klima der Region merklich ausgeglichen – die Winter sind weniger streng, die Sommer weniger dürr.

Öküzgözü ist die zugänglichste rote Sorte der Türkei und damit der beste Einstieg. Mittlerer Körper, runde Frucht, präsente aber freundliche Tannine, deutliche Säure, Alkohol meist zwischen 12,5 und 13,5 Prozent. Im Duft: Himbeere, dunkle Kirsche, Sauerkirsche, Minze, Schokolade, Eukalyptus, Granatapfel, reife Pflaume, Kirschmarmelade, Nelke und Kardamom. Wegen der Säure altert sie gut.

Passt zu: Kebap und Fleischgerichten, Schmorgerichten, Geräuchertem, Auberginengerichten – und ganz besonders zu Hünkar Beğendi. Das Zusammenspiel von Lammfleisch, Rauch und Auberginencreme mit der Sauerkirschnote des Weins ist einer der überzeugendsten Beweise dafür, dass türkische Küche und Wein zusammengehören.

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Boğazkere – der Rachenkratzer

Der Name ist eine Warnung: Boğazkere bedeutet „Rachenkratzer“. Die Sorte kommt aus Diyarbakır in Südostanatolien und bringt so viel Tannin mit wie kaum eine andere Traube der Welt – am nächsten dran ist vielleicht der Tannat aus Südwestfrankreich.

Die Beeren sind dunkelblau bis schwarz, klein bis mittelgroß, mit dicken Schalen – und genau da sitzt das Tannin. Die Weine sind tiefdunkel, vollmundig, dicht und komplex: Schwarzkirsche, Himbeere, Brombeere, schwarze Maulbeere, Pfeffer, Nelke, Eukalyptus, Tabak, Leder, Kiefernwald, dunkle Schokolade, Lakritz. Die Säure liegt im mittleren Bereich. Boğazkere reift spät, Mitte Oktober, und ist ausgesprochen trockenheitsresistent.

Wichtig: Ein junger Boğazkere ist keine Freude. Die Sorte braucht Flaschenreife, um ins Gleichgewicht zu kommen. Gebt ihr ihr die Zeit, bekommt ihr einen der beeindruckendsten Weine des östlichen Mittelmeerraums.

Passt zu: Tandır, also im Erdofen langsam gegartem Lamm, kräftigen Schmorgerichten mit Soße, Kebap vom Holzfeuer, würzigen Fleischgerichten und intensiv gereiftem Käse. Alles, was weniger wuchtig ist, verliert gegen diesen Wein.

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Der Klassiker: Öküzgözü × Boğazkere

Wenn ihr euch nur eine Sache über türkischen Rotwein merken wollt, dann diese: Die beiden wichtigsten roten Sorten des Landes ergänzen sich fast lehrbuchmäßig.

Öküzgözü bringt Frucht, Säure und Trinkfluss mit, aber wenig Struktur. Boğazkere bringt Tannin, Tiefe und Alterungspotenzial mit, aber wenig Charme. Zusammen ergeben sie einen Wein, der beides hat – zugänglich genug für den Alltag, strukturiert genug für ein ordentliches Essen. Diese Cuvée ist der Grund, warum viele Menschen türkischen Wein überhaupt zu schätzen lernen. Wenn ihr sie auf einem Etikett sieht, greift zu.

Internationale Sorten in Anatolien

Seit den 1950er Jahren wurden in der Ägäis und in Thrakien systematisch europäische Sorten gepflanzt – Semillon, Clairette, Sylvaner, Gamay, Cinsault, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und später viele weitere. Vier davon findet ihr regelmäßig auf türkischen Etiketten:

  • Chardonnay – vor allem in der Ägäis, Marmara, Kappadokien und am Mittelmeer. In den kühleren Höhenlagen entstehen erfreulich straffe, mineralische Versionen.
  • Sauvignon Blanc – in der Ägäis und Marmara. Häufig als Cuvée mit Sultaniye, was dem Sauvignon Substanz und dem Sultaniye Kontur gibt.
  • Cabernet Sauvignon – Ägäis, Marmara, Mittelmeer. Oft im Verschnitt mit Merlot und Cabernet Franc nach Bordeaux-Vorbild.
  • Shiraz / Syrah – mit rund 11.900 Tonnen die mengenmäßig bedeutendste internationale Rotweinsorte des Landes. Passt klimatisch ausgezeichnet nach Anatolien.

Das Spannendste sind aber die Cuvées über die Grenze hinweg. Syrah mit Kalecik Karası, Sauvignon Blanc mit Sultaniye, Boğazkere mit Shiraz, Çalkarası mit einem Schuss Boğazkere – hier passiert gerade das Interessanteste im türkischen Weinbau. Die internationale Sorte liefert Struktur und Wiedererkennbarkeit, die autochthone das, was es nirgendwo anders gibt.

Weitere türkische Rebsorten, die euch begegnen können

Einige türkische Rebsorten spielen in kleineren Mengen oder nur regional eine Rolle – wenn ihr in der Türkei unterwegs seid, stolpert ihr über sie:

  • Çavuş – weiß, Bozcaada. Eigentlich Tafeltraube, ergibt leichte, blumige Weine.
  • Vasilaki – weiß, Ägäis und Bozcaada. Griechischen Ursprungs, frisch und zitrisch.
  • Karalahna – rot, Bozcaada. Kräftig, würzig, tanninbetont. Der Gegenspieler des Karasakız.
  • Kuntra – rot, Bozcaada. Häufig ein zweiter Name für Karasakız.
  • Dimrit – rot, Kappadokien. Auf vulkanischem Boden, mittlerer Körper.
  • Papazkarası – rot, Thrakien. Priesterschwarz, wörtlich übersetzt. Besonders als Rosé und Schaumwein zunehmend beachtet.
  • Adakarası – rot, Marmara-Inseln, vor allem Avşa. Rubinrot, mittlerer Körper, rote Frucht mit Kräuternote.
  • Acıkara, Urla Karası, Merzifon Karası – rot, alle drei in den letzten Jahrzehnten aus dem Beinahe-Aussterben zurückgeholt.
  • Beylerce, Altıntaş, Dökülgen, Akgemre – weiß, jeweils sehr regional.

Welcher türkische Wein passt zu welchem Gericht?

Türkische Rebsorten und die Gerichte, zu denen sie passen: Weil die meisten von euch nicht vom Wein aus denken, sondern vom Essen, hier die Tabelle in die andere Richtung.

GerichtPassende RebsorteWarum
Meze-Tafel (gemischt)Çalkarası Rosé, Karasakız RoséVielen Aromen gleichzeitig gewachsen, ohne eines zu dominieren
Zeytinyağlı (in Olivenöl)Narince, Kınalı YapıncakFülle bzw. Zartheit begleiten das Olivenöl statt dagegen anzutreten
Börek, Sigara BöreğiEmir, Bornova Misketi trockenSäure schneidet durch Butter und Käse
Fisch vom GrillEmir, Narince im HolzMineralität zum Grillaroma; Narince trägt fetten Fisch
Mücver, GemüsepufferÇalkarası Rosé, Sultaniyefrisch und leicht, hält dem Frittierten stand
Lahmacun, PideKalecik Karasıfeine Tannine, Kirschfrucht zur Tomate
Adana & Urfa KebapÖküzgözü, Öküzgözü-BoğazkereSäure gegen das Fett, Frucht zur Schärfe
Hünkar BeğendiÖküzgözüSauerkirsche und Rauch treffen Aubergine und Lamm
Tandır, LammbratenBoğazkere (gereift)Nur dieses Tannin hält so viel Fleisch aus
Kuru Fasulye, LinsengerichteKalecik Karası, Öküzgözümittlerer Körper, kein Holz – sonst wird es schwer
Turşu, EingelegtesEmirhohe Säure hält gegen Essigsäure mit
Weißkäse & MeloneBornova Misketi trockenMuskatduft zur Melone, Säure zum Salz
Baklava, KadayıfBornova Misketi süßSüße muss die Süße der Speise erreichen
Blauschimmel, alter KäseBornova Misketi edelsüßder klassische Kontrast süß gegen salzig

Eine Regel für alle Fälle: Regional gedacht klappt es meistens. Ein Wein aus Elazığ passt zu einem Gericht aus Elazığ – die Kombination ist über Generationen zusammengewachsen. Und lasst euch nicht von dem alten Vorurteil bremsen, die traditionelle türkische Küche sei nicht weintauglich. Wer einmal Kuru Fasulye mit einem Kalecik Karası gegessen hat, weiß es besser.

Wer tiefer einsteigen will: In unserem Kochbuch MEZEler ~ kleine Köstlichkeiten & Vorspeisen haben wir dem Zusammenspiel von Meze und türkischem Wein ein eigenes Kapitel gewidmet – mit einer Weinempfehlung zu jedem einzelnen Rezept.

Wenn ihr das lieber am Tisch als am Bildschirm lernt: In unserem Kochkurs Wein mit Meze in Düsseldorf kochen und verkosten wir genau diese Kombinationen.

Häufige Fragen zu türkischen Rebsorten

Was bedeutet autochthon bei Rebsorten?

Autochthon heißt einheimisch oder bodenständig. Eine autochthone Rebsorte ist in ihrer Region entstanden und dort über lange Zeit kultiviert worden, statt von außen eingeführt zu sein. Narince, Öküzgözü und Boğazkere sind autochthon türkisch; Chardonnay und Cabernet Sauvignon sind es nicht.

Welche ist die bekannteste türkische Rebsorte?

International am bekanntesten sind Öküzgözü und Boğazkere, vor allem als gemeinsame Cuvée. Bei Weinkennern hat Kalecik Karası den besten Ruf, weil sie in ihrer Eleganz einzigartig ist. Mengenmäßig führt bei Weiß die Sultaniye.

Welcher türkische Wein ist gut für Einsteiger?

Bei Rot ein Öküzgözü oder eine Öküzgözü-Boğazkere-Cuvée. Bei Weiß ein Narince. Bei Rosé ein Çalkarası. Alle drei sind zugänglich, nicht zu wuchtig und zeigen trotzdem klar, was türkischer Wein kann. Boğazkere pur würden wir für den Anfang nicht empfehlen.

Gibt es guten türkischen Weißwein?

Ja, und er ist der unterschätzteste Teil des türkischen Weinbaus. Narince aus dem Holzfass, Emir von den kappadokischen Vulkanböden und trockener Bornova Misketi sind Weine, die es in dieser Form nirgendwo sonst gibt. Kühl servieren, bei 8 bis 10 Grad.

Wie lagerfähig sind türkische Weine?

Das hängt stark von der Sorte ab. Emir und Sultaniye trinkt man jung, innerhalb von ein bis zwei Jahren. Narince und Öküzgözü gewinnen durch ihre Säure über einige Jahre. Boğazkere braucht Reife und kann zehn Jahre und mehr. Çalkarası galt als nicht lagerfähig – gute Jahrgänge halten nachweislich zwei Jahrzehnte.

Warum kennt man türkische Weine in Deutschland so wenig?

Mehrere Gründe kommen zusammen: Die Türkei exportiert nur einen kleinen Teil ihrer Produktion, der Weinkonsum liegt im Inland bei etwa einem Liter pro Kopf und Jahr, und strenge Werbebeschränkungen für Alkohol erschweren die Vermarktung erheblich. Dabei gewannen türkische Weine zwischen 2011 und 2013 bei internationalen Wettbewerben über 1.000 Medaillen. Die Qualität ist also längst da – die Bekanntheit hinkt nach.

Wo ihr anfangen solltet

Kauft drei Flaschen: einen Narince, einen Çalkarası Rosé und einen Öküzgözü. Kocht eine Meze-Tafel und stellt alle drei geöffnet auf den Tisch. Ihr werdet innerhalb einer Stunde mehr über türkischen Wein verstehen als aus jedem Artikel – auch aus diesem.

Alles, was ihr dafür braucht, findet ihr in unserem Sortiment: Weißwein · Rosé · Rotwein · Schaumwein · nach Weingut sortiert.

Zu den Gewürzen, die in vielen der hier genannten Gerichte stecken, haben wir einen eigenen Guide zu türkischen Gewürzen geschrieben. Über Herkunft, Handwerk und die Menschen hinter solchen Produkten sprechen wir regelmäßig in unserem Podcast KüchenKültür, und auf unserem YouTube-Kanal zeigen wir euch die Gerichte Schritt für Schritt.

Şerefe!

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KochDichTürkisch ist eine Kochschule und Content-Plattform für türkische Rezepte, Warenkunde und Küchenkultur. In unseren Blogartikeln findet ihr Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Zutatenwissen und Küchentechnik. Handverlesene Produkte findet ihr im Online-Shop. Concept Store und Kochkurse findet ihr an unserem Standort in Düsseldorf.

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