Rezept: Hausgemachter Joghurt ~ *Ev yoğurdu* – Hausgemachter Joghurt
Das fermentierte Milchprodukt Joghurt (türkisch yoğurt) ist in der türkischen Küche ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Es wird pur, als Beilage oder als Zutat in zahlreichen Gerichten verwendet – ist fester Bestandteil jeder Mahlzeit des Tages. Seine Bedeutung in der Küchenkultur ist so tief verwurzelt, dass ein gedeckter Tisch ohne Hausgemachter Joghurt als unvollständig angesehen wird. Wir zeigen euch wie ihr Joghurt einfach selber machen könnt!
In erfrischenden Getränken wie Ayran, ist er genauso unverzichtbar wie in Meze, Marinaden, Desserts, Suppen, Eintöpfen, Salaten und Süßspeisen – aber dazu später mehr. Hausgemachter Joghurt selber machen ist ganz einfach. Das Rezept findet ihr auch in unserem Kochbuch KEBAPlar – Hausgemachter Joghurt ist ein unverzichtbarer Bestandteil.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte & Ethymologie von türkischem Joghurt
Nomadische Turkvölker entdeckten höchstwahrscheinlich zufällig, dass die Milch, die sie in Tierdärmen mit sich führten, geronn und sauer wurde. Dieses Dickmilchprodukt war nicht nur genießbar, es war auch wesentlich länger haltbar. Zudem wurde es von den meisten Menschen (weltweit sind die meisten laktoseintolerant) viel besser vertragen als frische Milch, da mit der Fermentation auch ein Teil der Laktose abgebaut wird.[1]
Das Wort Joghurt leitet sich vom türkischen yoğurt ab, welches seinerseits vom Verb yoğur-/yuğur– („kneten, andicken, verdicken“) abgeleitet ist.[2] In manchen Turksprachen (bei den Protobulgarian, Usbeken, Tataren und Baschkiren) wird statt yoğurt der Begriffe katık/katuk verwendet, welches vom Verb katı („fest, verfestigen, intensivieren“) abgeleitet ist.[3] Das legt nahe, dass die Joghurtbereitung bei den Turkvölkern allgemein bekannt war, noch bevor sich die Protobulgaren auf dem Balkan ansiedelten.[1] Joghurt ist also schon Teil der türkischen Küche, seit Milch mit Hilfe von Milchsäurebakterien “dick gelegt” wird.
Archäologische Funde von Rückständen in Keramikgefäßen, etwa in Anatolien und auf dem Balkan belegen, dass Menschen schon im 6. Jahrtausend v. Chr. Milch fermentierten. Erst im 20. Jahrhundert jedoch konnte der bulgarische Medizinstudent Stamen Grigorov diese Vorteile auf Milchsäurebakterien zurückführen. Joghurtkulturen sind nachweislich sehr gesund: Die enthaltenen Probiotika unterstützen die Darmflora, stärken das Immunsystem und verbessern die Nährstoffaufnahme. Zudem liefern sie wichtige Nährstoffe wie Calcium für Muskeln und Knochen. Der regelmäßige Konsum von Naturjoghurt kann die Verdauung fördern, die Darmbarriere stärken und das Risiko für bestimmte Krankheiten senken.
In der Überlieferung wird erzählt, Sultan Süleyman („Süleyman der Prächtige“) habe 1542 einen Arzt an den französischen Hof entsandt, der François I. mit Joghurt (aus Schafsmilch) von seinen Darmbeschwerden geheilt habe. Ob es wirklich hausgemachter Joghurt war, der François I. von seinen Leiden befreite, bleibt wohl für immer ungewiss – doch die Geschichte erzählt viel über die Faszination, die dieses einfache Milchprodukt bis heute ausübt.


Wußtest ihr das Joghurt sogar getrocknet und verwendet wird. Das wird yoğurt kurusu (kurut oder keş) genannt und ähnlich wie Labneh aus der Levante zu Kugeln geformt gegessen. Manche Varianten wir Sürk Peyniri aus Hatay werden stark gewürzt und wie ein Käse aufs Brot gegessen.
Ausserdem gibt es noch Tarhana. Das ist ein trockenes Suppenpulver, das durch Fermentation hergestellt wird. Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Mehl werden mit Joghurt über mehrere Tage fermentiert, getrocknet und zu einem Pulver zerrieben. Dieses Pulver für die Zubereitung von Suppen verwendet. Auf Wunsch einfach mit etwas Wasser verrühren und aufgekochen – Fertig ist die Suppe! Es ist ein altes traditionelles Gericht, das vermutlich aus dem iranischen Raum stammt und durch die Turkvölker und das Osmanischen Reich in vielen Regionen verbreitet wurde. Gekocht wird sie inzwischen vom Balkan und Ungarn (zum Beispiel in der albanischen, bosnischen oder griechischen Küche) bis nach Iran und dessen Nachbarländer.
Was ist süzme-Joghurt & wie läßt es sich herstellen?
Der in der türkischen Küche oft verwendete süzme-Joghurt wird traditionell durch das „abtropfen lassen“ von Naturjoghurt hergestellt. Das Wort »süzme« bedeutet „abgetropft“ und leitet sich wahrscheinlich von süzgeç für Sieb ab. Der auf diese Weise entwässerte Joghurt ist fester sowie cremiger und erreicht einen höheren Fettanteil (bis zu 10%) und Proteingehalt. Manchmal wird er auch als Sahne-, stichfester oder griechischer Joghurt bezeichnet. Alternativ könnt ihr einen Naturjoghurt mit 3,5% Fettgehalt nehmen und ihn in einem feinen Baumwolltuch im Kühlschrank etwa 2-3 Stunden abtropfen lassen. Mit Joghurt aus Ziegen-, Schafs- oder Büffelmilch bekommt ihr je nach Sorte unterschiedliche und feine Geschmacksnuancen.
Bio-Naturjoghurt wird nicht wärmebehandelt und enthält daher lebende Kulturen, die dem Darm mehr gesundheitliche Vorteile bieten. Außerdem wird er nur aus Milch (teilweise auch unter Zugabe von Sahne) und Milchsäurebakterien hergestellt – also ohne weitere Zusätze. Wir empfehlen, einen vollfettigen Bio-Naturjoghurt zu verwenden.
Übrigens lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Joghurt in Deutschland 2024 bei etwa 16,4 Kilo pro Jahr (laut Statista) , Tendenz steigend – Damit sind wir Spitzenreiter in der Welt. Wobei ein Großteil davon sicher mit Zucker, künstlichen Aromen und Farben versetzter Fruchtjoghurt sein dürfte, den wir nicht zu “echtem” Joghurt zählen. Trotzdem ist diese Entwicklung sehr erfreulich. Joghurt selber machen ist ganz einfach. Wir empfehlen euch eher einen einfach Naturjoghurt mit Früchten, Nüssen und Co. selber zu süßen.
Joghurt löscht, erfrischt, beruhigt und reinigt den Magen sowie Darm. Er ist Vollmundigkeit im Geschmack und ein kulinarischer Allrounder. Am besten genießt man ihn zu jeder Mahlzeit: Die Tanten meines Vaters (Orkide) sind beide über 100 Jahre alt geworden – und in unserer Familie sind wir überzeugt, dass Hausgemachter Joghurt daran nicht ganz unbeteiligt war.
Und so könnt ihr Joghurt selber machen – Also ran an die Töpfe!

Rezept: *Ev yoğurdu* – Hausgemachter Joghurt selber machen
Ev yoğurdu – Hausgemachter Joghurt
Kochutensilien
- 1 Keramik-, Ton- oder Stahlkochtopf mit Deckel
Zutaten
2 L frische Vollmilch min. 3,8% Fettgehalt
2-3 EL Bio-Natur- oder -Sahnejoghurt eurer Lieblingsmarke mit lebenden Lactobacillus-Bulgaricus-Kulturen
Zubereitung
- Milch langsam aufkochen, vom Herd nehmen und auf 40°C bis 45 °C abkühlen lassen. Wer kein Thermometer hat, kann einfach den kleinen Finger eintauchen. Wenn man grade so bis 5 zählen kann, ohne sich den Finger zu verbrennen, dann ist die Temperatur ideal. Es sollte sich auch Rahm gebildet haben.
- Etwas warme Milch entnehmen, in einem sauberes Glas mit dem Joghurt verrühren. Die Mischung vorsichtig unter den Rahm in den Topf rühren. Deckel schließen und in eine dicke Wolldecke hüllen. Vorzugsweise im warmen, ausgeschalteten Backofen, in der Nähe der Heizung oder mit einer Wärmflasche. Mindestens 8-10 Stunden ruhen lassen. Danach in den Kühlschrank stellen und weitere 12–16 Stunden unberührt lassen. Je länger, desto besser und stichfester wird der Joghurt.
Afyiet olsun!
Tipps & Hinweise
Nährwerte
Empfohlene Produkte
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Hausgemachter Joghurt ~ Wofür könnt ihr es verwenden?
Artikel Hausgemachter Joghurt / Quellenangaben:
- The Oxford Companion to Food. Oxford University Press 2014, Alan Davidson, S. 116 f.
- Türk Dilinin Etimolojik Sözlüğü, Hasan Eren, Türk dil kurumu yayınları, S. 576f
- Yoğurt Sözcüğünün Etimolojisi Üzerine Bir Deneme, Emin Erdem, Oğuz Türkçesi Araştırmaları Dergisi, 4.Auflage, S. 2f.
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