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Beylerbeyi Margaz Rakı: Wenn Rakı plötzlich nach Antike schmeckt

Rakı war lange das, was man in der Türkei liebevoll „immer dabei“ nennt: verlässlich, gesellig, aber selten der Star der Show. Das änderte sich, als der Markt nach der TEKEL-Ära aufging und neue Produzenten anfingen, Rakı nicht als Massenware, sondern als ernstzunehmendes Destillat zu behandeln. Seit der Privatisierung im Jahr 2004 tauchten neue Player auf – darunter Sarper Damıtımhanesi (Beylerbeyi) – mit dem Anspruch, Rakı aus der „Begleitspirituose“-Ecke in Richtung Premium zu schieben. Mehr Handwerk, mehr Rohstoff-Qualität, weniger „Hauptsache es knallt“.

Und dann kommt da Beylerbeyi Margaz (Rezerv No. 3) ins Glas: ein Rakı, der nicht nur nach Anis schmeckt, sondern nach Landschaft, Traube und ziemlich viel Geduld.

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Margaz: Ein Dorf, das nach Trauben klingt – und auch so lebt

Der Name „Margaz“ ist kein Fantasieetikett. Die Trauben stammen aus dem Bezirk Kaş (Antalya) – historisch Lykien – und beziehen sich auf ein Dorf, das heute offiziell Üzümlü („die Traubenreiche“) heißt, im Volksmund aber weiter Margaz bleibt. Das Dorf liegt im Taurusgebirge, und genau diese Lage macht den Unterschied: heiße Tage, deutlich kühlere Nächte. Diese Temperaturamplitude hilft der Traube, Säure und Frische zu behalten – ohne die ein Destillat schnell „marmeladig“ wirkt (und Marmelade gehört wirklich eher auf Kaymak als ins Rakı-Glas). Dazu kommen kalkhaltige, steinige Böden, die die Reben zwingen, tief zu wurzeln – weniger Ertrag, aber konzentriertere Aromen.

Die Margaz-Traube ist eine lokale Variante der Razaki-Familie – und hat einen echten Vorteil für Destillation: eine besonders dicke Schale. In der Schale sitzen viele Aromavorstufen (Terpene/Phenole), die bei der Maischegärung in den Alkohol wandern. Ergebnis: ein aromatischeres, „öligeres“ Grunddestillat.

3500 Jahre Rebenkultur – und plötzlich landet das im Warenkorb

Kaş/Margaz ist nicht irgendein Wein-Eckchen: Archäologische Funde in Westanatolien belegen Rebkultivierung seit über 3500 Jahren. In der Antike war Wein aus Lykien ein Handelsgut – heute knüpft Margaz als Rakı bewusst an dieses Erbe an. Spannend (und auch wichtig fürs Storytelling): Die Traubenkultur in der Region wurde historisch oft von armenischen und griechischen Communities gepflegt, inklusive Ritualen rund um die Traubenernte (z. B. Traubensegnung/Asdvadzadzin). Heißt: Wer Margaz trinkt, trinkt nicht nur „Anis“, sondern auch ein Stück Kulturgeschichte – ohne dass es nach Museum schmecken muss.

kas, türkiye
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„Halis Rakı“: Keine Tricks, nur Rohstoff

Beylerbeyi positioniert sich als „Halis“ (rein/echt). Beim Margaz heißt das sehr konkret: 0 g Zucker und kein Agraralkohol, sondern 100% Traubensuma. Fun Fact: Laut türkischem Kodex wären bis zu 10 g Zucker/L bei Rakı erlaubt – viele nutzen das, um „runder“ zu wirken. Beylerbeyi lässt es weg, weil ein guter Rohstoff nichts maskieren muss.

„Rezerv“ bedeutet hier übrigens nicht „lagert länger“, sondern eher: Single-Grape-Ansatz. Eine Traube, eine Herkunft, ein Profil – ähnlich wie bei Einzellagen-Wein.

96 Stunden Destillation: Geduld als Zutat

Der technische Kern: dreifache Destillation. Während Standard-Rakıs bei zweifacher Destillation oft nach ca. 48 Stunden „durch“ sind, gönnt Beylerbeyi dem Margaz 96 Stunden in Kupferkesseln. Kupfer bindet dabei unerwünschte Schwefelverbindungen – mehr Kontakt, saubereres Aroma.

Und jetzt der Teil, den man schmeckt (und am nächsten Tag gerne auch merkt): Beylerbeyi schneidet bei der Destillation sehr streng und nutzt nur das „Göbek“, also das Herzstück. Vorlauf (u. a. Methanol/Acetaldehyd) und Nachlauf (Fuselöle) werden großzügig abgetrennt. Das Ergebnis wird im Dossier als weich und ölig beschrieben – ohne „Kratzen“.

Kalınköz-Anis und der „Louche“-Moment

Kein Rakı ohne Anis – aber auch da gibt’s Qualitätsstufen. Für Margaz wird Anis aus Kalınköz (Denizli) genutzt, im Dossier als „Grand Cru“-Gebiet beschrieben. Der hohe Anethol-Gehalt sorgt für den dichten, stabilen Louche-Effekt (dieses milchige Weiß, sobald Wasser dazukommt) – ein optisches Qualitätszeichen.

Was kommt dazu auf den Tisch? (Spoiler: nicht der schärfste Kebab)

Rakı ist Sofra-Getränk – und Margaz ist eher „weißer Rakı für weiße Speisen“: Fisch, Joghurt, Käse, Gemüse. Zu scharfe oder knoblauchlastige Kebab-Nummern übertönen die feinen floralen Noten.

Warum Meze so gut passt, ist sogar chemisch erklärbar: Ethanol + Anethol wirken als „Fettlöser“ und reinigen den Gaumen – ideal für Olivenölgerichte, Schafskäse oder frittierten Fisch. Im Dossier werden u. a. empfohlen: Ezine Peyniri, Fava, Lakerda, Kräutersalate (Roka/Portulak), gegrillter Oktopus und sogar Artischocken in Olivenöl (Cynarin kann Getränke süßer wirken lassen – spannend, weil Margaz keinen Zuckerzusatz hat).

KochDichTürkisch-Querreferenz: Wenn ihr sowieso Meze plant – eure Fava (rote Linsen, Haselnüsse, Olivenöl etc.) ist praktisch wie gemacht für eine elegante Rakı-Runde. Und wer’s deftiger mag, nimmt die Sucuklu-Hummuscreme als „Okay, jetzt wird’s ernst“-Meze dazu.

Hard Facts für alle, die’s genau wissen wollen

Margaz kommt klassisch mit 45% Vol., 700 ml, ist glutenfrei und wird idealerweise bei 8–10 °C serviert.

Fazit: Beylerbeyi Margaz ist Rakı für Menschen, die beim Trinken gern wissen, woher etwas kommt – und die Lust auf ein Glas haben, das nicht nur „Anis“ kann, sondern auch Kaş, Taurus, Lykien und 96 Stunden Kupferkessel. Und ja: Am besten in guter Gesellschaft. Rakı ist kein Sprint. Rakı ist ein Abend.

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