Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, was „Heimat” wirklich bedeutet? Ist es ein Ort, eine Erinnerung oder vielleicht ein ganz bestimmter Geschmack? Vor Kurzem hatten wir die große Ehre, in der Sommerstaffel des renommierten „Feuer und Blitz”-Podcasts (aus dem Brandstätter Verlag) zu Gast zu sein.
Wir haben mit der Moderatorin über unser neues Kochbuch gesprochen, über die tiefe Geschichte hinter unseren Rezepten und warum die türkische Küche so viel mehr ist als die klassischen Klischees.
Inhaltsverzeichnis

💡 P.S.: Für alle unter euch, die gar nicht genug von kulinarischen Geschichten auf die Ohren bekommen können: Kennt ihr schon unseren eigenen Podcast KüchenKültür? Hört unbedingt mal rein – dort quatschen wir regelmäßig über die Geheimnisse der türkischen Esskultur!
Was ist eigentlich „Heimat”?
Im Podcast kamen wir schnell auf eine Frage, die uns im Kern berührt. Orkide hat es im Gespräch mit einer Definition auf den Punkt gebracht, die uns immer noch Gänsehaut verpasst:
„Wenn ich … zwei, drei solcher Speisen zubereiten kann, fühle ich mich zu Hause. Das ist für mich Heimat. Das ist für mich meine Familie, meine Kultur, alles bei mir zu haben. Und dann fühlt man sich wohl, egal wo man hingeht.”
— Orkide Tançgil
Genau diese Philosophie steckt in jedem unserer Projekte. Es geht nicht nur um Zutaten, sondern um das Gefühl von Geborgenheit, das man auf einem Teller um die ganze Welt tragen kann.
Eine kulinarische Reise auf dem Wasser: Unser Törn in Kaş
Wir haben im Podcast frisch von unserem zweiten kulinarischen Segeltörn an der lykischen Küste in Kaş erzählt. Ein absolutes Naturschutzgebiet, in dem es seit fast 40 Jahren keine Autos und keine Straßen gibt. Wenn man dort mit dem Boot in die Bucht einläuft, fällt der Puls augenblicklich. Man hört nichts außer dem sanften Plätschern des Wassers.
Dort kommen Menschen aus den unterschiedlichsten Ecken zusammen — und das Essen baut sofort die Brücken. Ein Highlight der Reise? Unser Marktbesuch in Demre! Dort haben wir eine über 70-jährige Dame (Görgülü Teyze) getroffen, die den ganzen Tag frische Gözleme backt. Unsere Mitreisenden durften den Teig direkt selbst ausrollen. Am Ende wurden alle vor purem Glück abgeküssst. Genau das ist die Magie, die wir suchen!

Mehr als nur Döner: Die wahre Vielfalt der türkischen Küche
Hand aufs Herz: Der Döner wurde in Deutschland gerade erst wieder zur beliebtesten Speise gewählt. Das freut uns natürlich! Aber die türkische Küche ist so unendlich viel reicher. Sie gehört völlig zurecht neben der französischen und chinesischen Küche zu den drei großen Weltküchen.
Unsere Küche ist historisch und geografisch einzigartig geprägt:
- Die Nomaden-Wurzeln: Aus Zentralasien brachten die Ur-Türken Joghurt, Reis (Pilav) und die Kunst der Teigtaschen (Manti/Börek) mit.
- Das Schlaraffenland Anatolien: Hier trafen die Nomaden auf eine unfassbare landwirtschaftliche Vielfalt und wurden sesshaft.
- Das Osmanische Reich: Über 600 Jahre lang vermischten sich hier die Kulturen, Religionen und Ethnien (Muslime, Christen, Juden, Assyrer und viele mehr).
Die Geschichte der Esnaf Lokantası und der Zeytinyağlıs
Wusstet ihr, dass es im Osmanischen Reich Gesetz war, dass Arbeitgeber ihren Angestellten das Mittagessen stellen mussten? Da nicht jeder Friseur oder Schmied eine Küche hatte, schickte man die Lehrlinge zum Esnaf Lokantası (dem Lokal für die Arbeitenden im Viertel).
Damit dort alle essen konnten — auch die christlich-orthodoxen Christen während ihrer fleischlosen Fastenzeit — entstanden die berühmten Zeytinyağlıs (in Olivenöl gegarte Gemüsegerichte). Sie sind von Natur aus komplett vegan, unglaublich reich an Umami und perfekt für heiße Sommertage, weil man sie kalt genießt!

Gastfreundschaft statt Event-Planung: Das Prinzip „Çat Kapı”
Ein großer Unterschied, den wir im Podcast besprochen haben, ist die Art, wie wir Gäste empfangen. Im deutschsprachigen Raum wird eine Einladung oft wochenlang im Voraus wie ein Event durchgeplant.
Bei uns gilt das Prinzip Çat Kapı – das bedeutet so viel wie „plötzlich an der Tür klopfen“. Man plant nicht groß, man geht einfach davon aus, dass immer jemand reinschneien kann. Und das ist kein Stress, sondern ein Privileg! Deshalb haben wir im Sommer auch immer Zeytinyağlıs oder erfrischende Joghurtspeisen im Kühlschrank. Innerhalb von fünf Minuten steht ein Essen auf dem Tisch und die Gemeinschaft beginnt.
Entdeckt die fleischlose Vielfalt: Unser neues Kochbuch!
All diese Geschichten, die Brücken zwischen den Kulturen und vor allem die unzähligen fleischlosen Schätze der türkischen Küche haben wir für euch aufgeschrieben.
In unserem neuen Kochbuch „Türkei vegetarisch” (für das die wunderbare Katharina Seiser das Vorwort geschrieben hat!) findet ihr genau diese Rezepte, die von Natur aus ohne Fleisch auskommen und voller Tradition stecken. Von einfachen Meze bis hin zu reichhaltigen Olivenöl-Gerichten.
🌱 Hier könnt ihr unser neues Kochbuch „Türkei vegetarisch” direkt bestellen und darin stöbern!

Geht mit uns auf Entdeckungsreise und holt euch ein Stück anatolische Heimat in eure Küche! Wir wünschen euch jetzt schon: Afiyet olsun!
Leckeres Essen macht glücklich & dieses Glück könnt ihr teilen.
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