Sticker Kalender zum Fastenmonat Ramadan 2024

KochDichTürkisch bringt jedes Mal zum Fastenmonat Ramadan eine neue Aktion in die digitale Welt. Dieses Jahr gibt es einen Sticker-Kalender mit Begriffen rund um die türkische Küche. Von Ayran bis Zeytinyağlılar beleuchten wir in 30 lockeren Slides die wichtigsten Themen. Das gesamte Bild ist dann hier auf dem Blog und in Instagram zu sehen. — Als Bonus gibt es zeitlich limitierte Aktionen wie z.B. Rabatte. Die findet ihr unseren Stories auf Instagram, Facebook und WhatsApp.

Der Ramadan Sticker-Kalender 2024

Ramadan der Fastenmonat

Der Fastenmonat Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Er umfasst ca. 354 Tage und ist damit fast 11 Tage kürzer als unser Jahr mit 365 Tagen. Jedes Jahr verkürzt sich der Ramadan-Beginn um 10­-11 Tage. Nach 33 Jahren wiederholt es sich.

Allgemein sind alle Muslime dazu aufgerufen, 29-30 Tage von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zu fasten. Durch dem Mondkalender verschiebt sich die tägliche Fastenzeit je nach Jahreszeit und Höhengrad. In der Türkei –15 Stunden, in Deutschland –18 Stunden.

Fastenmonat Ramadan 1/30

Muss jeder Fasten?

Ausgeschlossen vom Fasten sind alte Menschen, Kranke, Schwangere, Stillende oder Frauen während der Periode, Kinder bis zur Pubertät und Reisende. Nach Möglichkeit sollten die Tage nachgeholt werden. 

Wichtig zu wissen ist: Wer nicht fasten will, muss das nicht tun. 

Was gehört zum Fasten?

Verzicht auf Essen, Trinken und Rauchen. Böse Gedanken und Äußerungen vermeiden.

Grundlegend zum Ramadan: Dankbarkeit, Bedürftigen helfen, sich mit Freunden und Familie versöhnen. Selbstkontrolle, Stärkung des Geistes und verbessert das Mitgefühl.

Wann ist der Fastenmonat Ramadan?

Der Fastenmonat Ramadan richtet sich nach dem islamischen Mondkalender und beginnt jedes Jahr etwa elf Tage früher als im vorherigen Sonnenjahr. Der genaue Beginn hängt von der Sichtung des Neumonds ab, weshalb das Startdatum in verschiedenen Regionen leicht variieren kann.
Beginn Ramadan 2024: ca. 11. März 2024
Beginn Ramadan 2025: ca. 1. März 2025
Beginn Ramadan 2026: ca. 18. Februar 2026
Beginn Ramadan 2027: ca. 8. Februar 2027
Beginn Ramadan 2028: ca. 28. Januar 2028
Beginn Ramadan 2029: ca. 16. Januar 2029
Beginn Ramadan 2030: ca. 6. Januar 2030

Welche Bedeutung hat der Fastenmonat Ramadan für Muslime?

Der Fastenmonat Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam und hat für Muslime eine tiefe spirituelle Bedeutung, da er eine Zeit der Selbstreflexion, des Gebets und der Nähe zu Gott darstellt. Während des Ramadans fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, was die Disziplin stärkt und die Solidarität mit den Bedürftigen fördert, um Dankbarkeit und Mitgefühl zu kultivieren.

Was ist im Ramadan erlaubt und was nicht?

Im Ramadan ist es für Muslime tagsüber nicht erlaubt zu essen, zu trinken, zu rauchen oder sexuelle Beziehungen zu haben. Die spirituelle Reinigung und Disziplin wird gefördert. Erlaubt sind hingegen Handlungen wie Beten, Lesen des Korans und das Verrichten von guten Taten.

Sahur – die Mahlzeit vor dem Sonnenaufgang

Das Frühstück – Das Sahur ist ein wesentlicher Bestandteil vom Ramadan. Es ist die Mahlzeit vor Sonnenaufgang, also bevor das Fasten beginnt. Sahur stärkt den Körper, den Geist und bietet Zeit für Reflexion und Gebete.

Sahur ist ein Zusammenkommen. Es bringt Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, vertieft die familiären Bindungen und schafft ein Gefühl der Einheit.

Was sollte man Essen?

Sahur ist eine wichtige Mahlzeit, die Energie für den ganzen Tag liefert. Wichtig ist also viel Flüssigkeit und Gemüse, sowie wenig Salz und Zucker. Dazu eignen sich Bulgur, Eier, Gemüse und Joghurt.

Eine Geschichte für zwischendurch.

In der Türkei ist es üblich, dass ein Wecktrommler (Ramazan davulcusu) die Fastenden durch Trommeln und Rufgesänge 1–2 Stunden früher für Sahur weckt.

ramazan_drummer_shouting

İftar – die Mahlzeit nach dem Sonnenuntergang

Das Abendessen – Die Fastenzeit endet mit dem Beginn der Nacht. Am Abend. Das İftar symbolisiert die Erlaubnis zum Essen und Trinken. Es erinnert an die Wichtigkeit von Geduld, Disziplin und Selbstkontrolle.

Eine Tradition schreibt Geschichte.

Traditionell wird der Beginn von İftar mit einem Gebetsruf angekündigt. Zuerst werden ein Gebet gesprochen, eine Dattel und Wasser verzehrt – ­­­so soll es auch der Prophet Mohammed getan haben. Dies hilft insbesondere dabei den Körper sanft an das Essen zu gewöhnen und ihm Energie zu liefern.

Man verbringt İftar mit der Familie, mit Freunden oder in einer Gemeinschaft.

Zum İftar empfehlen wir eine ausgewogene Tafel: Suppe, Salate, Gemüse und ein wenig Teig bzw. Fleisch. Eine leichte Süßspeise wie z.B. Güllaç darf natürlich nicht fehlen.

İmsak: Fastenbginn

Der İmsakiye ist ein 30-Tage-Kalender mit Zeiten für die Fastenden. Das İmsak ist die Zeit des Fastenbginns nach dem Sahur (der Mahlzeit vor der Morgendämmerung).

Die genauen Uhrzeiten für Sahur und İftar unterscheiden sich von Tag zu Tag und hängen von der geografischen Lage und dem Sonnenstand ab.

Beispiel İftar 15.3.2024:

Augsburg 18:28

Hamburg 18:30

Bielefeld 18:37

Düsseldorf 18:44

Moderne trifft auf Tradition

Zu Beginn der Gastarbeiter-Zeit in Deutschland hat man sich die İmsakiye-Kalender aus der Türkei bringen lassen. In den 1980er haben türkische Unternehmer wie z.B. Handwerksbetriebe, Supermärkte etc. die Kalender mit einem Werbeeindruck produziert und kostenfrei verteilt. 

Heutzutage gibt es diese Tradition immer noch, aber es ist auch digital erweitert worden. Suchmaschinen und Apps sind nun praktisch Begleiter.

Falls ihr also mal eingeladen seid zum Iftar, wisst ihr wann man gemeinsam essen darf.

Dattel: Brot der Wüste

Nur eine Dattel?

Die Dattel ist das Symbol für das Fastenbrechen. Zum İftar ist die süße Frucht die 1. Nahrungsaufnahme.

Warum eine Dattel?

Sie ist ein Energiebündel! Zucker, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien sind ideal, um abends nach dem Fasten Kraft zu tanken und den Blutzuckerspiegel sanft auszugleichen.

So ist der folgende Hunger an der Tafel nicht mehr ganz so groß.

Prophet Mohammed hat die Dattel schon als Brot der Wüste bezeichnet. Man sollte generell 1 Dattel pro Tag essen. Es liefert Nährstoffe, hält satt und ein Segen aus der Wüste.

Süssen mit Datteln?

Der heute genutzte weiße Zucker ist noch recht jung in der Menschheitsgeschichte. Früher wurden im Osmanischen Reich, wie auch in den arabischen Gebieten mit Früchten gesüßt. Daher auch so viele Gerichte in der Kombination. Probiert doch mal einen Spinat-Salat mit Datteln.

Çay geht immer!

Schon immer Tee?

Der çay ist noch recht jung in der Türkei. Erst 1924  begann der staatliche Teeanbau an der Schwarzmeer-Küste.

Dann war es geschehen mit den Türken sie trinken heutzutage pro Jahr und pro Kopf 3,16 kg Tee. Platz 1 weltweit.

Eigentlich war im Osmanischen Reich der Mokka das meistgetrunkene Heißgetränk. Mit der Gründung der Türkei hat man nach einem neuen Produkt gesucht. 

Çay ist ein Stück Kultur

Zu jeder Tageszeit wird Tee getrunken. Je nach Situation gibt es Rituale und Zeremonien. Wie beim Mokka haben es die Türken geschafft in kurzer Zeit den Çay in alle Lebenslagen zu bringen. 

Çay ist ein unverzichtbar Begleiter auf den Iftar-Tafeln, der nach gestilltem Hunger und Durst eine Pause für Körper und Seele bietet. Am Besten in guter Gesellschaft.

Yoğurt: Süß oder deftig?

Ein wenig Geschichte

Den Joghurt gibt es schon seit 1000en Jahren. Die nomadischen Turkvölker haben Milch in Tierhäuten transportiert – durch Fermentation entstand Joghurt.

Der Begriff yoğurt (ausgespr. [jo‘urrt]) kommt vom türkischen Verb *yoğunlaştırmak*. Yoğurt stammt aus dem Alttürkischen, bedeutet „verdickte Milch“.

In Europa kam Joghurt zunächst im 16. Jh. an. Francis I.  (Fr.) hatte Magen-Darm-Probleme. Süleyman I. sendete ihm 40 Schafe und einen Arzt. Sie heilten Francis I. mit yoğurt. Erst Anfang des 20. Jh. verbreitete es sich als Medizin in Europa. 

In der türkischen Küche ist er nicht nur ein Nachtisch. Yoğurt ist überall dabei, sowohl in kalten oder warmen Speisen. Von der erfrischenden Suppe bis hin zu Hauptgerichten und Meze.

Fun-Fact: Türken essen ca. 30 kg pro Jahr

Es gibt sogar getrockneten Joghurt. In Tarhana (Suppe) ist Joghurt als Pulver enthalten. Es wird gemeinsam mit Gemüse fermentiert. So hatten die türkischen Nomaden immer ihr Stück Yoğurt dabei.

Ayran: the real Energy Drink

Wer hat’s erfunden?

Die Gök-Türken haben im 6.Jh den säuerlichen Joghurt mit Wasser gestreckt und so zufällig Ayran entdeckt. Im Zuge der Islamisierung der Turkvölker ab dem 8. Jh. ersetzte Ayran vor allem aber auch das leicht alkoholhaltige Milchgetränk kımız (vergorene Stutenmilch).

Ayran – Das Wort

Der Begriff Ayran stammt vom alttürkischen Wort ürüŋ = „weiß“ bzw. „Milchprodukte“ ab. Weiß symbolisiert in der Kultur auch Reinheit und Segen.

Beyaz en açık renktir.

Ayran en açık renktedir.

Beyaz kutsal bir renktir.

Ayran kutsal bir içecektir.

Erfrischend und Nahrhaft

Ayran stärkt den Körper und unterstützt den Energiehaushalt, da es wichtige Elektrolyte, Proteine und Kalzium liefert. Nach dem Sport und auch nach dem Fasten ein perfekter Ausgleich für den Körper. 

Ayran war schon immer der beste Energy-Drink.

Kahvalti = Unter dem Kaffee

Nur 2 Mahlzeiten

In der türkischen Kultur gab es zur Zeit der Osmanen zwei Mahlzeiten. Das Morgenmahl war ein vollwertige Mahlzeit gegen 10-11 Uhr – kuşluk vakti. Das Abendmahl war leichter und gegen 17 Uhr.

1517 kam der 1. Kaffee nach Istanbul. In der Folgezeit entwickelte sich die „Mokka-Kultur“ mit dem Osmanen. Der anregende Trunk wurde mehr konsumiert. Morgens ohne was zu essen war er etwas zu stark. Daher hat man eine Kleingkeit vorher gegessen. Das kahve altı = unter dem Kaffee = Grundlage zum trinken.

Türkentrunk

Türkisches Frühstück

Mit der Modernisierung des Arbeitsalltags gibt es heute 3 Mahlzeiten in der Türkei. Die Reichhaltigkeit der Speisen beim kahvaltı spiegelt die vielfältige Kultur und Geschichte wider.

Einige regionale Spezialitäten zum kahvaltı

Westen ➢ frittiertes Gemüse

Uşak ➢ Tarhana Suppe

Urfa ➢ ciğer kebabs (Leber)

Gaziantep ➢ beyran Suppe

Hatay ➢ zahter Salat

Van ➢ Murtuğa

Auch der Çay hat sich seit über 80 Jahren durchgesetzt und darf am Tisch nicht fehlen.

Kahve – Der Türkentrunk

Kaffee wird Kultur

Die Türken machten den Kaffee zur Kultur. In Äthiopien entdeckt, im Jemen kultiviert, wurde er durch die Osmanen in Europa verbreitet. Frühe Influencer ließen die Händler umsonst kosten und alle waren dann schnell überzeugt.

Kaffeehäuser in Europa

1554 Das 1. Kaffeehaus in Istanbul öffnet. Diplomaten aus der ganzen Welt lernen den Kaffee im Osmanischen Reich kennen und tragen die Kunde in ihre Länder.

1645 Venedig

1650 Oxford

1652 London

1659 Marseille

1672 St. Germain

1673 Bremen

1689 Paris

1685 Wien…

Türkentrunk bezieht sich auf Kaffee, den die Osmanen,  Türken genannt, nach Europa brachten. Es spiegelt seine exotische Herkunft und die damalige Wahrnehmung der osmanischen Kultur wider.

Caffee, trink nicht so viel Caffee! Nicht für Kinder ist der Türkentrank, schwächt die Nerven, macht dich blass und krank. Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann!

Die Osmanen lieben den Kaffee bis heute. Türken, Griechen, Armenier, Bosnier, Serben, Kroaten, Syrer etc. trinken Mokka auf traditionelle Weise. Es wird in einem Cezve gekocht und mit Schaum in kleinen Tassen inkl. Kaffeesatz serviert.

Zahlreiche Rituale und Weisheiten sind daraus entstanden.

  • Cezve: Sorgfältiges Erhitzen mit Schaumbildung
  • Servieren: In kleinen Tassen mit Schaum, Wasser vorweg.
  • Kaffeesatzlesen: Glaube nicht daran, aber lebe auch nicht ohne.
  • Heiratsritual: Mokka bei Anträgen, Test mit gesalzenem Kaffee.

Fun-Fact: Unser Logo ist auch ein Cezve

KDT Logo Rund

Nane – çok şahane* so wunderbar

*Ohrwurm aus dem 2000ern: Nane nane, çok şahane

Die Nane-Minze (nane) ist in der türkischen Küche so präsent, wie Döner-Buden in Berlin. Spricht man von den wichtigsten Kräutern, so werden Petersilie, Dill und Minze in einem Atemzug genannt.

Die Türken hatten in Ost-Asien zunächst wenig Gemüse und Kräuter, sondern mehr Teig, Getreide und Fleisch. In der Seldschuken-Dynastie (1040-1157) gab es ein wenig mehr Grünzeug und Kräuter als vorher. Dazu kam auch die Minze.

Minze wird meist verwechselt. Die Nane-Minze (Spearmint Grüne Minze oder Krauseminze) hat weniger Menthol als die in Europa übliche Pfefferminze.

Frisch oder getrocknet?

Bei den meisten Kräutern bevorzugen wir Frisches gegenüber Getrocknetem, aber getrocknete Minze (kuru nane) ist eine Ausnahme. Ihre charakteristischen Minzaromen bleiben beim Trocknen erhalten und intensivieren sich sogar, im Gegensatz zu anderen Kräutern, deren Geschmack verblasst.

Aroma-Booster

Getrocknete Minze wird oft in geschmolzener Butter oder warmes Olivenöl kurz gerührt und als Minz-Öl auf türkischen Suppen oder Joghurt-Cremes verteilt. Durch Fett und Hitze entfalten sich die ätherischen Öle in der Minze. In Sarma, Dolma, Fleischgerichten, Eintöpfen und Kebaps ist es ebenfalls ein gern gesehener Aroma-Booster.

Danke Bariş Manço

Ein viel schöneres Lied hat uns die letzten Jahrzehnte begleitet. Der wunderbare Künstler Bariş Manço (1943-1999) komponierte folgendes:

Nane Limon Kabuğu

…Zürefanın düşkünü

Beyaz giyer kış günü

Sonunda şifayı kapıp da şaşırınca

Bana gel, beni dinle, iyi yaz

Defteri, kalemi al, iyi yaz

Nane, limon kabuğu

Bir güzel kaynasın, aman, ha-ha-ha-ha-ha

İçine hatmi çiçeği

Biraz çöre‘ otu katasın, aman,

ha-ha-ha-ha-ha

Hatta biraz tarçın

Bir tutam zencefil, aman, ha-ha-ha-ha-ha

Bin derde deva geliyor

Biraz daha sabret, güzelim,

ha-ha-ha-ha-ha-hapşu…

Im Lied „Nane Limon Kabuğu“ von Barış Manço werden Metaphern für Selbstbewusstsein und Vorsicht verwendet, während traditionelle Hausmittel als Sinnbild für Geduld und Heilung stehen. Mit einer Mischung aus Minze, Zitronenschale und Gewürzen wird die Vorstellung vermittelt, dass Zeit und Beharrlichkeit die Zutaten zur Linderung vieler Leiden sind.

Vegetarische Küche: Ohne Kebeab?

Mittelasien bis Anatolien

Die Türkvölker begannen ihre Reise in Mittelasien. Geprägt von Steppe zwischen Altai- und Uralgebirge konzentrierte man sich auf Getreide und Vieh. Dies war die Geburtsstätte von Yufka, Börek und Sucuk, Pastırma, Kebap.

Die Seldschuken entdecken Anatolien

Im Jahre 1071 besiegte Sultan Alp Arslan die Byzantiner bei Malazgirt (nördlich vom Van-See). Die türkische Ansiedlung Anatoliens begann. Als Bauern entdeckten sie nun auch mehr Gemüse und Hülsenfrüchte, wie z.B. Spinat, Zwiebeln, Möhren, Bohnen, Kichererbsen etc.

Speisen im osmanischen reich

Das fruchtbare Anatolien und die Weite des Herrschaftsgebietes reicherten die unterschiedlichen Zutaten so an, dass man immer kreativer wurde. Im Saray waren die Köche im Wettrennen zu neuen Speisen.

1923 Türkei

Nach dem 1. Weltkrieg ab 1918 stand die heutige Türkei unter Besatzung. Es herrschte Armut. Viele Menschen wurden einfallsreich und kochten aus wenig Zutaten viele Varianten. Fleisch war und ist ein Luxusgut.

Kulinarisches erbe Heute

Heutzutage wird in der heimischen Küche der Türkei und in den Lokanta sehr viel ohne Fleisch gekocht, da es auch  günstiger ist. Natürlich wird auch Fleisch verwendet, aber in Maßen und nur als kleines Element, wie z.B. die Hühnerbrühe im Pilav.

Zeytinzağlı Yemekler: eine eigene Kategorie

Erst in Anatolien ab dem 11. Jh. haben die Türken Olivenöl kennengelernt. Auf den Tafeln war es aber noch nicht so präsent. Nachdem 1453 Fatih Sultan Mehmet Istanbul eroberte, wurde es einer der 3 Fette, die regelmäßig im Serail verwendet wurden.

3x Fett

> ⁠zeytinyağı = Olivenöl
> kuyruk yağı = Schwanzfett (ein bestimmte Schaf-Rasse)
⁠> sadeyağ = Butter (geklärt)

Mit Olivenöl konservieren

Anatolien ist fruchtbar und der Gemüse-Konsum steigt. Viel wird auch mit Olivenöl konserviert. Die Türken lernen von den Rum (Byzantiner) den Umgang mit Olivenöl.

Eine Kategorie entsteht

Die Türken verwendeten das flüssige Gold nicht nur zum Kochen. Es wurde zur Beleuchtung und auch als Schmierfett genutzt. In den Küchen experementierte man und ein neue Art des Konservierens wurde gefunden.

Warm oder Kalt

Frisches Gemüse wird langsam und schonend mit Olivenöl gedünstet und kann direkt warm gespeist werden. Lässt man es erkalten, wird es nicht nochmal erwärmt und man isst es kalt (Zimmertemperatur). Es ist mehrere Tage verzehbar und ein perfekter Tafel-Geselle.

100+ Gerichte

Heutzutage hat sich die Tradition besonders in der West-Ägäis verbreitet: über 100 Gerichte finden wir bei einer lockeren Recherche, es ist eine feste Kategorie in der türkischen Küche: zeytinyağlı yemekler

Nohut die Kichererbsen

Schon so alt? Kichererbsen werden seit 8.000+ Jahren angebaut.

Sie stammen von der Wildpflanze Cicer reticulatum ab und hatten ihren Ursprung in Kleinasien. Die Verbreitung ging über den Mittelmeerraum und Richtung Indien.

Nohut: Kichererbsen

Auf türkisch nohut genannt, stammt der Begriff aus dem Persischen. Die Türken kochten ihre ersten Nohut-Gerichte erst ab dem 11.Jh. in Anatolien. Im Osmanischen Reich gehörte sie recht schnell an jede Tafel.

Leblebi

Varianten mit den kleinen Hülsenfrüchten gibt es zahlreiche. Interessant ist der Knabber-Klassiker Leblebi. Nur langsam geröstet ergeben sie eine gesunde Leckerei. Geschichtlich wurden sie das 1. Mal in Tavşanlı von Şeyh Murat Gazi im 14. Jh. erfunden. Nachweisbar in Produktion ging es in Çorum los.

Boza

Ausgesprochen [bohsah] wird gerne in Verbindung mit Leblebi gebracht. Die gerösteten Kichererbsen schmücken das leicht fermentierte dickflüssige Getränk aus Hirse: ein typisches Ramadan und Wintergetränk. Der Begriff kommt aus dem Alttürkischen Wort büze (Hirse).

Salça: Tomate oder Paprika?

Der Begriff salça stammt vom italienischen Wort salsa, der weiblichen Form des lateinischen salsus für gesalzen, abgeleitet vom Verb salare, was auf das lateinische sal für Salz zurückgeht.

Salça ist noch ganz jung

Die Verwendung von salça in der osmanisch- türkischen Küche begann erst Anfang des 20. Jh. Tomate wie auch Paprika sind zwar schon im 18./19. Jh. angekommen, jedoch wurde die Tomate als giftig eingestuft.

Italienisch oder Französisch

In der Besatzungszeit 1918-23 wurden Tomaten und Paprika im Volk beliebter. Süd-Anatolien war italienisch und Südost-Anatolien französisch besetzt. Die Gegend war seit Jahrhunderten von Auberginen-Rezepten geprägt…

Frenk Patlıcan

…das Volk nannte zu Beginn die Tomate *frenk patlıcan* = französische Aubergine. Weitere Namen waren auch: cırtlavuk, domatiz, firek, frenk elması, gırmuzu, mamador, tomat…

Biber salçası

Die Paprika hat sich besonders gut in der Gegend um Antep / Urfa angesiedelt: guter Boden, perfektes Klima, heiße Sonne. Die Paprika wird zunächst auf den Dächern in der Sonne getrocknet und dann zu Mark (biber salçası) verarbeitet. Erst in den 1970ern wurde es industriell gefertigt.

Heute hat jede türkische Familie ein Glas salça bei sich in der Zutaten-Kiste. Es ist die kleine geheime Zutat, die viele Gerichte *türkisch* schmecken läßt. Tomaten- und Paprikamark haben beide einen individuellen Geschmack, der sich unterscheidet: Tomatenmark bringt einen fruchtig-süßen; Paprikamark hingegen einen würzigen-umami Geschmack in die Gerichte.

Einzigartig

Der Einsatz von biber salçası (Paprikamark) ist in der türkischen Küche immer wieder zu finden. Diese rote Geschmackslinie gibt es in keiner anderen Weltküche so prägnant.

Tahin: Einfach gut

Flüssiges Gold – Die cremige Paste wird nur aus gerösteten Sesamsamen durch Mahlen gewonnen. Schon im alten Mesopotamien wurde es als Wein der Götter bezeichnet.

Sesam, mahle dich…

Erst mit den Seldschuken in Anatolien begannen die Turk-Völker, Sesam in ihrer Küche zu verwenden. Zu Beginn des Osmanischen Reiches wurde Sesamöl zum Braten von Eiern und Fisch verwendet. Auch zur Beleuchtung wurde es eingesetzt.

Immer süß?

In der heutigen türkischen Küche wird Tahin fast immer mit süßen Komponenten vereint.

Die Klassiker sind: tahin + pekmez (Obst-Melasse) oder tahin-helva. Die typischste herzhafte Speise ist jedoch Humus. Kichererbsen und Tahin in Harmonie.

Sättigend

Ob in herzhaften Gerichten oder in Süßspeisen, Tahin ist weit verbreitet und verleiht den Speisen eine samtige Textur.

Unser Tipp generell: 1 Teelöffel Tahin in einem Glas Wasser auflösen und morgens trinken. Es hält sehr lange satt.

Nar Ekşisi: Nicht Soße!

Sosse, Sirup oder Dicksaft? – Das nar ekşisi wird meist für Salate, aber auch Deftigem verwendet. Die Beliebtheit führte zu Fake-Produkten. Statt 100% Granatapfelsaft durch Köcheln auf 8% Melasse zu reduzieren, mischte man einfach Fertig-Zutaten. Ein 100% Granatapfel-Dicksaft besteht nur aus der Reduktion. Steht auf dem Behälter Soße oder Sirup, so ist es meist eine Mischung aus Glukosesirup, Aroma, Farbstoff und Ascorbinsäure.  

Sauer, macht lustig

Säure ist beim Kochen ein Game-Changer. Sie sorgt für das Gleichgewicht zu Salz, Fett, Zucker und Stärke. Die Türken verwendeten für die Säure in den Speisen z.B. auch koruk (unreife Trauben). Das nar ekşisi ist schon bei den Türk-Völkern in Mittelasien zu finden.

Einzigartig!

Anfang der 2000er fragte man türkische Gastronomen welche Zutat typisch türkisch ist. Einstimmig wurde das nar ekşisi genannt. Betrachtet man andere Küchen so ist es kaum bis gar nicht zu finden. Nur in den osmanisch-türkisch geprägten Gebieten: Mittelasien bis zum Balkan. 

Wo drauf?

Viele fragen uns heutzutage wo man das nar ekşisi einsetzen kann. Wir empfehlen es immer zu Salaten statt Zitrone zu verwenden. Die Mischung aus Süße und Säure harmoniert perfekt.

Deftig!

Gerne auch zu würzigen, röstigen oder scharfen Speisen passt es. Wir empfehlen: Mercimek köftesi (Linsen-Bulgur-Bällchen), Kebab jeder Art, Ofengemüse etc.

Sumach – Sumak, die Rote Medizin

Rötlich – Der Begriff sumak kommt aus dem Aramäischen und bedeutet rötlich. Aus Syrien wurde es in der Antike ins alte Rom exportiert und vielseitig eingesetzt.

Medizin

Erst im Osmanischen Reich kamen die Türken mit Sumak in Berührung und nutzen es neben dem Würzen auch als Medizin.

Anti!

  • Der Sumak (Gerber-Sumach) stammt aus der Pflanzenfamilie der Sumach-Gewächse, wozu auch alte Bekannte wie die Pistazie oder Cashew-Nuss gehören. Die gemahlene Steinfrucht des Gerber-Sumach enthält starke Antioxidantien, die viele Krankheiten wie z. B. Diabetes, Fettleibigkeit und Krebs bekämpfen.
  • Desweiteren hat Sumach starke antibakterielle Eigenschaften und kann das Wachstum verschiedener Bakterien wie E.coli (Verdauung) und Staphylococcus aureus (Haut, Herz) hemmen. Dies macht ihn zu einem vielversprechenden Mittel gegen Bakterien.

Zerzevat/Zerzavat

Sumak wurde in der osmanischen Küche vielfach eingesetzt. In Suppen, Salaten, auf Gegrilltem und auch in einer Süßspeise ist das fruchtig-säuerliche Gewürz zu finden. Das wohl am häufigsten genutzte Rezept heute ist der Zerzavat-Salat (Zwiebelsalat mit Sumak und Petersilie). Der Klassiker im Döner-Kebab.

Ohne Soße

Probiert doch mal euren nächsten Döner mal nur mit Zerzavat. Achtet aber auch darauf, dass euer Döner-Dealer Sumak auf die Zwiebeln gegeben hat.

Butter und Olivenöl: von Ost nach West

Gebuttert oder Geölt? – Bei der Pilaw Zubereitung scheiden sich die Geister: mit Butter oder Olivenöl? Je nachdem aus welchem Gebiet der Türkei die Mamas stammen: im Osten wird Butter, im Westen eher Olivenöl verwendet. Im Gebiet dazwischen auch mal beides.

Die Türken waren es

Die Türk-Völker in Mittelasien verwendeten vor über 1000 Jahren nur Tierfette und Butter zum Kochen. Die Butter wurde durch den Joghurt gewonnen.

Nachhaltig

  • Sie mischten den Joghurt mit warmem Wasser und schüttelten ihn in Tierhäuten, um Butter zu gewinnen.
  • Nachdem die Butter entnommen war, wurde der Rest gesalzen, gekocht und gesiebt, um çökelek Käse herzustellen.
  • Das Olivenöl lernten die Türken ab dem 11. Jahrhundert in Anatolien kennen. Die Stadt Kilis (damals Mesopotamien) wird als Ursprungsgebiet genannt. Schon die alten Römer nutzten es, und der Anbau konzentrierte sich auf die Mittelmeerküsten. Die Turkvölker migrierten von Ost nach West und brachten ihren Pilav mit. Sie verwendeten nun auch das neue Fett.
  • Im Landesinneren der heutigen Türkei wird Olivenöl für Pilav weniger, aber dafür an den westlichen Küsten mehr genutzt. Daher darf der Pilav mit Butter und/ oder Olivenöl gekocht werden.
  • Fauxpax: mit Speiseöl oder Margarine?

Pul Biber und Isot: Osmanische Schärfe

Früher als die Tomate

Paprika und Chili kamen vermutlich im Laufe des 15.-16. Jahrhunderts ins Osmanische Reich. Im Gegensatz zu Tomaten, die zunächst als giftig galten, wurden Paprika/Chili vor allem in Südeuropa und Südostanatolien angebaut.

pul biber

*Pul* bedeutet im Türkischen Flocken/Blättchen, bzw. auf Fārsi „kleine Kupfermünzen“. Die Paprika, bzw. Chili wird in der Sonne getrocknet und zerkleinert. Es gibt pul biber in leicht bis mäßig scharf.

isot

Isot ist ein in Urfa bekanntes besonderes Gewürz. Es wird auch in der Sonne getrocknet, aber Nachts mit Tüchern abgedeckt. Das leichte Schwitzen führt zur Fermentation und Verdunkelung der Chilischoten. Der Geschmack ist rauchig und fruchtig-scharf.

Das Wort „isot“ leitet sich von den türkischen Wörtern „issi“ (heiß) und „ot“ (Kraut) ab und wurde ursprünglich in der Bedeutung von Paprika/Chili, ähnlich wie bei der Bezeichnung von schwarzem Pfeffer, verwendet. Die Verwendung des Ausdrucks „İssi ot“ wurde erstmals im Lügat-i Halîmî aus dem Jahr 1477 dokumentiert.

Lutfullah Halîmî

…war ein wichtiger Gelehrter und Richter. Er lebte in der Zeit von Fatih Sultan Mehmed und Bayezid II. Er schrieb ein Buch mit dem Namen „Lügat-i Halîmî”. Dieses Wörterbuch aus dem 15. Jh. ist das erste Lexikon, das Wörter aus der persischen und türkischen Sprache alphabetisch geordnet hat.

Es bietet detaillierte Erklärungen und enthält wertvolle linguistische Einsichten in die türkische Sprache des 15. und 16. Jh..